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2003-01-06 09:38:16

Ingenieure arbeiten für den Umweltschutz



Berlin/Bonn (/gms) - Seit den achtziger Jahren hat der Umweltschutz seinen festen Platz im Arbeitsleben und ist in vielen Berufen von Bedeutung: Nach Zahlen des Bundesumweltministeriums in Berlin hingen in Deutschland 1998 rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze vom Umweltschutz ab. Inzwischen sei die Entwicklung zum Stillstand gekommen, sagt Martin Waldhausen, Sprecher des Umweltministeriums.

Die Zahl der unmittelbar vom Umweltschutz abhängigen Arbeitsplätze stagniere, bestätigt Bernhard Hohn von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit in Bonn. Katalysatoren und umweltfreundliche Waschmittel seien längst in die Märkte eingeführt worden. «Neue Impulse wie das Wasserstoffauto, die eine Vielzahl von Jobs schaffen könnten, lassen jedoch noch auf sich warten», sagt der Arbeitsmarktexperte.

Dennoch habe sich der Umweltschutzgedanke fest in der Wirtschaft etabliert, so Hohn. In annähernd jedem Wirtschaftszweig werde auf den Umweltschutz geachtet. Im Zuge dieser Professionalisierung hat sich der «grüne» Arbeitsmarkt ausdifferenziert. So gibt es heute nicht nur in Chemieunternehmen Umweltschutzbeauftragte und eine Vielzahl anderer «grüner» Jobs. Dazu zählten Emissionskontrollen in der Industrie, Baustoffprüfungen oder Aufgaben in der Energie- oder der Abfallwirtschaft, sagt Hohn.

Zudem sind dem Experten zufolge Berater, Gutachter und Manager für unterschiedliche Fragen rund um den Umweltschutz unverzichtbar geworden. Mit der Auswahl von Baustoffen oder umweltfreundlichen Farben und Lacken beschäftigt sich auch der Architekt Roland Baumgärtner aus Konstanz. Er bietet biologisch-ökologische Bauberatung an und kennt sich zum Beispiel mit Niedrigenergie- und Passivhäusern aus. Bei Wasser- und Energieverbrauch können ihm zufolge Ressourcen gespart werden, wenn beim Bauen die richtigen Entscheidungen getroffen würden: «Da sind die Möglichkeiten immer größer geworden», so Baumgärtner.

Vor allem ingenieurwissenschaftliche Studiengänge münden in einen «grünen» Beruf. Nach Stellenmarktauswertungen der ZAV wenden sich rund 90 Prozent aller Jobangebote für «grüne» Berufe an Techniker. Aber auch Natur- und Sozialwissenschaftler, Juristen und Betriebswirte können hier arbeiten. Ohnehin ist der Umweltschutz der ZAV zufolge ein aussichtsreicher Arbeitsmarkt für Akademiker, und die Gehälter seien nicht schlecht.

Unter der rot-grünen Bundesregierung wurden Arbeitsplätze in Wirtschaftszweigen, die zum Umweltschutz beitragen, begünstigt - etwa durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2000. Der Bundesverband Windenergie (BWE) in Osnabrück zählte 1990 rund 1000 Mitarbeiter in der Branche. Neun Jahre später waren es 27 000. Heute geht der BWE davon aus, dass rund 45 000 Arbeitsplätze von der Windkraft abhängen.

Für erneuerbare Energien arbeitet auch Theodor Peters. Der 31-Jährige ist beim Unternehmen Denker & Wulf in Sehestedt bei Rendsburg (Schleswig-Holstein) in der Planung und Umsetzung von Windkraftanlagen tätig. «Es ist nicht so, dass wir hier alle im Wollpulli sitzen und uns freuen, dass die Sonne noch scheint. Wir sind Kaufleute, wir müssen Geld verdienen», sagt Peters. Dennoch sei er in seinem Job seinen Überzeugungen näher als in einer ausschließlich kommerziellen Tätigkeit.

Peters Einstellung wird auch in Zukunft im Arbeitsleben gefragt sein. Vor allem in der Bauwirtschaft und in Berufen rund um Verkehr und Mobilität erwartet das Umweltministerium in Zukunft zusätzliche Arbeitsplätze. Ein Hochschulabschluss ist in jedem Fall eine gute Voraussetzung für eine Tätigkeit im Umweltschutz. Studienanfänger mit einem «grünem» Berufswunsch, sollten Umwelt- und Verfahrenstechnik studieren, rät Gerhard de Haan, Professor an der Freien Universität Berlin und Autor eines Umweltstudienführers. Auch Absolventen der Verkehrstechnik und der Landschaftspflege hätten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Literatur: Gerhard de Haan, Irene Donning und Bernhard Schulte: Der Umweltstudienführer, Verlag Eugen Ulmer, ISBN 3-8252-2083-4, 14,90 Euro.

Informationen: Die Broschüre «Haben grüne Jobs Zukunft?» ist kostenlos erhältlich bei der ZAV, Villemombler Straße 76, 53107 Bonn (Tel.: 0228/713 12 92; E-Mail: Bonn-ZAV.ams@arbeitsamt.de).

http://www.arbeitsamt.de/zav/publikationen


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