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2002-11-25 09:29:34 Warum Buchbinder nicht nur Bücher bindenHamburg/Aachen/Berlin (/gms) - Der Werkstatt im Hamburger Uni-Viertel ist anzusehen, dass hier noch per Hand gearbeitet wird: In den Regalen an der Wand wird Leinen auf Rollen gelagert. Daneben stehen kleine Kartons mit Kordeln oder Zeichenband. Schere, Messer und Falzbein liegen auf dem Tisch. «Unsere wichtigsten Werkzeuge», sagt der Buchbindemeister Jörn Lang. Das Buchbinderhandwerk hat er bei seinem Vater gelernt. Und auch sein Großvater hatte schon den gleichen Beruf. Jörn Lang trägt eine weiße Schürze mit dem selbst entworfenen Firmenzeichen: «Wir arbeiten immer mehr für Privatkunden», sagt er. Dabei individuelle Wünsche zu erfüllen, ist nicht außergewöhnlich: «Ich habe auch schon einmal Asterix und Obelix in Leder gebunden.» Immer häufiger kommen Kunden, die zum Beispiel ein «Hochzeitsbuch» verschenken wollen: «Jeder Gast steuert ein selbst gestaltetes Blatt bei, wir binden das dann», erzählt Lang. Einfach ist die Situation für Buchbindereien nicht: «Internet und CD-ROM machen dem Medium Buch Konkurrenz», sagt Ludwig Voss, Geschäftsführer beim Bund Deutscher Buchbinder-Innungen, BDBI, in Aachen. Im Handwerk ist die Zahl der Betriebe in den vergangenen 20 Jahren um rund die Hälfte zurückgegangen. Zur Zeit sind bei den Handwerkskammern etwa 1200 Betriebe registriert. «Wer sich für den Beruf interessiert, sollte mindestens einen Realschulabschluss mitbringen», sagt Hans-Dieter Jung in Köln, beim BDBI für die Ausbildung zuständig. Ausgebildet wird im dualen System. Alle Azubis haben in den ersten beiden Jahren der dreijährigen Ausbildung in der Schule den gleichen Lehrplan. «Danach gliedert es sich in die Bereiche Handwerk, industrielle Buchfertigung und Druck-Weiterverarbeitung», erklärt Jung. In der Druck-Weiterverarbeitung, viele Großbuchbindereien arbeiten vornehmlich für Druckereien und binden etwa Kataloge, gibt es nach Jungs Einschätzung die meisten Ausbildungsplätze. Auszubildende im Handwerk müssten häufig damit rechnen, nicht übernommen zu werden. «Sie sind in der Industrie aber gefragt», sagt Jung. Die Ausbildungsvergütung liegt im ersten Lehrjahr dem BDBI zufolge bei 355 beziehungsweise 395 Euro im Monat, je nachdem, ob der Azubi schon volljährig ist. Sie steigt dann bis auf 435, ab 18 Jahren auf 495 Euro. «Es ist schon oft so, dass man nach der Ausbildung den Betrieb verlässt», erzählt Ulrike Itter, die im Atelier für Einbandkunst und Restaurierung in Berlin arbeitet. «Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist Instandsetzung und Restaurierung», sagt sie. «Das gilt zum Beispiel für Bibeln, die für die Besitzer einen hohen ideellen Wert haben.» Überwiegend für Bibliotheken arbeitet die Handbuchbinderei in Massenhausen bei München: «Wir binden zum Beispiel Zeitungen und Zeitschriften», sagt Buchbindermeister Helmut Pantele, der in seinem Betrieb derzeit zwei Lehrlinge ausbildet. «Das sind meist Abiturienten - und meistens Frauen.» Ein Schwerpunkt in seiner Werkstatt liegt auf der Restaurierung, oft von alten Büchern. Wie Papier sich restaurieren lässt und wie etwa mit Säurefraß umzugehen ist, gehört daher auch zur Ausbildung. Deutlich verändert hat sich der Beruf durch technische Entwicklungen: «Man arbeitet auch mit dem Computer», sagt Pantele. «Die Decke für Zeitschrifteneinbände zum Beispiel gestalten wir am PC. Der Entwurf wird per E-Mail an einen darauf spezialisierten Kollegen geschickt, der dann die fertigen Decken liefert.» Informationen: Bund Deutscher Buchbinder-Innungen, Postfach 101012, 52010 Aachen, Tel.: 0241/53 27 09, Fax: 0241/94 98 234, E-Mail: bdbi@kh-aachen.de. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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