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2002-11-18 09:45:23

Künstler-Handwerk Wachsziehen



Stadtbergen/Bamberg (/gms) - Kerzen gibt es in einer großen Vielfalt an Farben und Formen. Für ihre Herstellung sind die Wachszieher zuständig: «Das Wachsziehen ist einer der ältesten Handwerksberufe», sagt Wolfgang Reich, Geschäftsführer der Bundesinnung der Wachszieher mit Sitz in Stadtbergen bei Augsburg.

«Er ist nach wie vor nicht wegzudenken, so lange es die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Kerzen gibt», so Reich. In Frankreich gab es schon im 11. Jahrhundert organisierte «Lichtzieher». Bis zu den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts blieben Kerzen aber den reichen Haushalten und Kirchen vorbehalten, denn sie bestanden aus Bienenwachs und waren teuer. Die Masse der Menschen nutzte Lichtquellen aus minderwertigem Rinderfett und Hammeltalg. Die moderne Kerze trat mit der Entdeckung von Paraffin und Stearin ihren Siegeszug an.

«In der handwerklichen Kerzenherstellung sind manuelles Geschick und technisches Verständnis ebenso gefragt wie Kreativität», sagt Reich. Der Wachzieher ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Lehrzeit beträgt drei Jahre. Nach dem zweiten Lehrjahr müssen sich die Auszubildenden zwischen den Fachrichtungen Kerzenherstellung und Wachsbildnerei entscheiden. Der erste Bereich konzentriert sich auf die Herstellung vom Handwerk bis zur vollindustriellen Massenfertigung. Die Wachsbildnerei ist der künstlerische Zweig.

Wachszieher in der Ausbildung verdienen im ersten Jahr in der Regel rund 360 Euro, im zweiten Jahr 435 und im dritten Jahr 512 Euro. Nach der Gesellenprüfung sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt gut: «Wir haben in den Handwerksbetrieben bisher jeden Lehrling nach bestandener Prüfung übernommen», so Reich. Ausgelernte Wachszieher verdienen 1300 Euro und mehr.

«Nach dreijähriger Praxis im Beruf und entsprechenden Kursen kann die einheitliche Meisterprüfung abgelegt werden, bei der beide Richtungen geprüft werden», erläutert Edgar Bonn, Obermeister der Bundesinnung der Wachszieher, der in Bamberg einen mittelständischen Betrieb betreibt.

Die Herstellung einer Kerze ist nicht nur die Kombination eines Dochts mit Paraffin, Stearin oder Bienenwachs. «Jede Kerzengröße braucht neben der richtigen Zusammensetzung des Wachses einen entsprechend bemessenen Brennfaden», sagt Bonn. Er wird meist aus Baumwollgarnen in verschiedenen Durchmessern und Längen geflochten. Von ihm hängt das einwandfreie Brennen der Kerze entscheidend ab.

Die meisten Kerzen entstehen heute in Massenproduktion. Kerzen mit höherer Qualität entstehen aber durch traditionelles Ziehen: Zwischen zwei Zugrädern steht eine Wanne mit flüssigem Wachs. Durch dieses wird der Docht gezogen und setzt dabei eine Wachsschicht an. Die Prozedur wiederholt sich so lange, bis die Kerze den gewünschten Durchmesser hat.

Beim Gießen, einem ebenfalls traditionellen Verfahren, wird in der Mitte einer festen oder aufklappbaren Form der Docht gespannt und dann das Wachs eingegossen. So kann der Kerze jede gewünschte Form gegeben werden. Auch Wachsfiguren werden so gefertigt. Kerzen können auch durch das so genannte Tauchen hergestellt werden. Dabei wird der um einen Metallrahmen gespannte Docht so oft in die Wachsmasse eingeführt, bis eine Kerze in der gewünschten Stärke entstanden ist.

Informationen: Verband Deutscher Kerzenhersteller, Karlstraße 19 - 21, 60329 Frankfurt, Tel.: 069/25 56 13 66, Fax: 069/25 56 16 18, E-Mail: braun@vci.de.

http://www.kerzeninnung.de

http://www.kerzenverband.de


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