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2002-11-11 09:30:19 Polarforscher leben entbehrungsreichBremerhaven (/gms) - Die menschenfeindlichen Lebensbedingungen im Ewigen Eis haben sich seit den Entdeckungsreisen der großen Polarforscher wie Roald Amundsen, Robert F. Scott oder Fritjof Nansen kaum verändert. «Im Sommer steigt das Thermometer auf dem Festlandeis der Südpolregion gerade über die Markierung von minus 25 bis 20 Grad», erläutert der Arktis-erfahrene Glaziologe Hans Oerter. Das Berufsbild des modernen Polarforschers allerdings gleicht dem der großen Abenteurer des frühen 20. Jahrhunderts kaum noch. Die Physikerin Claudia Ratering vom AWI zeigt sich daher über diese Berufsbezeichnung auch nicht sonderlich begeistert. «Polarforscher» lässt sich an keiner Hochschule oder sonstigen Einrichtung studieren. «Voraussetzung für eine solche Tätigkeit ist ein abgeschlossenes Studium vornehmlich auf den Gebieten Physik, Geophysik, Chemie, Biologie, Meteorologie, Geologie oder Ozeanographie», sagt Ratering. «Eine sehr gute körperliche Verfassung ist die Voraussetzung für Forschungsreisen in die Polarregionen», berichtet Hans Oerter vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven aus der Praxis. «Diese wird vor dem Einsatz von Ärzten genau überprüft, wobei der Arbeitsort eine Rolle spielt.» Bleibt der Wissenschaftler auf dem Schiff oder in einer festen Forschungsstation, seien die Maßstäbe allerdings nicht so hoch wie bei einer Expedition ins südpolare Inlandseis, bei der Höhen von bis zu mehr als 3000 Meter erreicht werden. Da die Atmosphäre über der Antarktis dünner ist als über anderen Kontinenten, bedeute dies eine besondere Belastung. Auf viel Ruhe und Entspannung dürfen die Expeditionsteilnehmer nicht hoffen: Der Forscher im Eis ist immer mit anderen auf engstem Raum zusammen. Mitunter muss er sogar die Unterkunft mit einem Kollegen teilen. Eine Privatatmosphäre existiert wochenlang praktisch nicht. «Ein harter Job mit Entbehrungen, das Nervenkostüm muss gut sein», sagt Oerter. Forscher, die in den polaren Zonen gearbeitet haben, berichten auch noch von anderen Phänomenen, die den Körper belasten. In den Sommermonaten scheint die Sonne fast ununterbrochen, im Winter herrscht Dunkelheit. «In der Helligkeit findet man weit weniger Schlaf, und den Mangel registriert der Körper schon», weiß Oerter aus eigener Erfahrung. Und fehlendes Tageslicht schlage aufs Gemüt. Die Härte des Jobs wird mit der für Wissenschaftler üblichen Bezahlung abgegolten. «Eine Anstellung findet sich überwiegend in Forschungsinstituten», sagt der Diplom-Geologe Gerhard Haass vom Forschungszentrum für marine Geowissenschaften (GEOMAR) in Kiel. Verwendung für die Forscher hätten gelegentlich aber auch Firmen, die Bodenschätze in Alaska oder Sibirien suchten und förderten. Der lebenswichtige Schutz gegen extreme polare Kälte ist durch die inzwischen hoch entwickelte Schutzkleidung gesichert. Die Wissenschaftler müssen beispielsweise bei minus 30 Grad und eisigem Wind im Freien aus dem Boden Proben entnehmen oder Messungen vornehmen. Viele Polarforscher tragen nicht zufällig einen Bart. Auf eine entsprechende Frage antwortete der deutsche Abenteurer Arved Fuchs einmal: «Er wärmt tatsächlich.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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