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2002-11-04 09:43:53

Medizinischer Dokumentar zur "Daten-Verarztung"



Ludwigshafen (/gms) - Medizinische Dokumentare und Dokumentationsassistenten können wegen der Krise im Gesundheitswesen bald mit ausgesprochen guten Berufsaussichten rechnen. Immer genauer wollen Krankenkassen von Kliniken und Ärzten wissen, wie und mit welchem Aufwand an Personal und Material sie ihre Patienten behandelt haben.

Das zu erfassen, zu berechnen und statistisch aufzubereiten, ist eine Aufgabe, die zunehmend spezialisierten Fachkräften übertragen wird. Besonders erfreulich für Schulabgänger: Die glänzenden Perspektiven der Dokumentare und Dokumentationsassistenten haben sich bislang kaum herumgesprochen. «Den meisten ist der Beruf völlig unbekannt», sagt Margrit Ebinger von der Schule für Medizinische Dokumentation des Universitätsklinikums Ulm. «Dabei hängt unser Schwarzes Brett voll mit Stellenangeboten, die unsere Absolventen allein gar nicht annehmen können.» Die 1969 gegründete Schule in Ulm war bundesweit die erste ihrer Art. Inzwischen stehen dort jedes Jahr 50 Ausbildungsplätze für Medizinische Dokumentare bereit.

Wer Spaß an der Medizin einerseits und am Umgang mit Computern andererseits hat, aber auch den Kontakt mit Menschen nicht scheut, kann unter verschiedenen Wegen in den Beruf gelangen. Zwei Jahre dauert in den meisten Bundesländern die Ausbildung zum Medizinischen Dokumentationsassistenten (MDA). Sie wird in staatlichen oder privaten Berufsfachschulen absolviert; je nach Organisationsform kann dabei Schulgeld anfallen. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel der Realschulabschluss.

Ein Jahr mehr muss in die Ausbildung zum Medizinischen Dokumentar (MD) investiert werden. «Entsprechend anspruchsvoller ist der Lehrplan», sagt Dagmar Wege vom Deutschen Verband Medizinischer Dokumentare (DVMD) mit Sitz in Mannheim. So müssen MDs etwa im Stande sein, mit Hilfe von Programmiersprachen EDV-Datenbanken zu erstellen. Betriebswirtschaftslehre steht ebenfalls auf dem Lehrplan. Margrit Ebinger, von Haus aus Ärztin, ist immer wieder beeindruckt, wie viel medizinisches Fachwissen die künftigen Dokumentare in Ulm zu pauken haben: «Sie müssen sich in Anatomie, Pathologie und medizinischer Terminologie auskennen. Das gleicht einem Mini-Medizin-Studium.» Abitur oder Fachhochschulreife sind angesichts dieses Pensums ratsam.

Dank der Breite ihrer Ausbildung sind MDs und MDAs keineswegs auf die Datenerfassung in Krankenhäusern beschränkt. Es locken gut bezahlte Jobs in der pharmazeutischen Industrie, wo die Fachkräfte etwa den Verlauf von Studien im Zuge der Arzneimittelzulassung überwachen. «Da kann das Monatsgehalt auf bis zu 4000 Euro brutto steigen», sagt Rainer Weber von der Medizinischen Berufsfachschule der Universität von Halle, wo ausschließlich MDAs ausgebildet werden. Weitere mögliche Arbeitgeber sind medizinische Institute, Gesundheitsämter, Krankenkassen oder Softwareanbieter.

Medizinische beziehungsweise biowissenschaftliche Dokumentation kann an den Fachhochschulen von Ulm und Hannover auch in acht Semestern studiert werden. «Das Diplom bringt vor allem im Öffentlichen Dienst Vorteile», sagt Dagmar Wege vom DVMD. Tatsächlich unterscheide sich der Stoffumfang aber kaum von der Ausbildung zum Medizinischen Dokumentar, die zwar nur drei Jahre dauere, dafür straffer organisiert sei.

Der Verband rechnet bei den Absolventen künftig mit einem Kräfteverhältnis von 56 Prozent MDAs, 24 Prozent MDs und 20 Prozent Diplom-Dokumentare. Das Übergewicht der MDAs hängt auch mit einem recht hohen Anteil an Umschülern zusammen: So ist die überwiegend sitzende Tätigkeit zum Beispiel eine Alternative für Krankenschwestern mit berufsbedingten Verschleißerscheinungen.

Als ob diese Vielzahl von Ausbildungswegen nicht schon genügen würde, hat der Gesetzgeber vor zwei Jahren noch einen weiteren ermöglicht: Neuerdings wird Medizinische Dokumentation auch als duale Ausbildung mit einem praktischen Part im Krankenhaus oder einem Wirtschaftsbetrieb angeboten. Die nicht gerade übersichtliche Berufsbezeichnung lautet: Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Medizinische Dokumentation. «In der Rangfolge der Abschlüsse ist der Fachangestellte unter dem MDA anzusiedeln», sagt Professor Wilhelm Gaus, Fachleiter der Dokumentarenschule in Ulm.

Der Vorteil der dualen Ausbildung liegt außer im größeren Praxisbezug darin, dass sie im Gegensatz zu MD und MDA bundeseinheitlich geregelt ist. Entsprechende Fachklassen wurden deutschlandweit an rund einem Dutzend Berufsschulen eingerichtet. Allerdings gibt es derzeit noch erhebliche Anlaufschwierigkeiten, da sich vor allem in der freien Wirtschaft bislang nur wenige Ausbildungsbetriebe gefunden haben. Professor Gaus zeigt sich dennoch überzeugt, dass auch das neue Ausbildungsangebot «allmählich in Gang kommt». Arbeit gibt es schließlich für alle genug, ob MD, MDA, Diplom-Dokumentar oder Fachangestellter.

Informationen: Deutscher Verband Medizinischer Dokumentare, Postfach 10 01 29, 68001 Mannheim, Tel.: 06205/102604, E-Mail: dvmd@dvmd.de.

http://www.dvmd.de


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