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2002-10-21 09:37:15

Beim Büchsenmacher ist Präzision gefragt



Suhl/Ehingen (/gms) - Die Jäger in Deutschland verlassen sich auf das Können einer speziellen Berufssparte: Büchsenmacher und Büchsenmacherinnen stellen ihre Waffen mit handwerklichem Geschick so ein, dass bei ruhiger Hand möglichst jeder Schuss sein Ziel trifft.

«Sie montieren Zielfernrohre, pflegen Gewehre und schießen sie ein. Und sie fertigen maßgerecht den Schaft aus edlem Holz. Nicht zuletzt sind sie für die Wartung zuständig», umreißt Helmut Adamy, Bundesinnungsmeister der Büchsenmacher in Suhl in Thüringen einige der Tätigkeiten des Berufsstandes.

Ihren Aufschwung nahm die Büchsenmacherei in Europa im 14. Jahrhundert mit der Einführung des Schießpulvers. In den Werkstätten des jungen Berufszweiges produzierten Meister die Schusswaffen in Handarbeit. Die so genannten Rohrgarnierer stellten die Läufe her, Schäfter schnitzten den Schaft aus Holz. Andere Fachleute bauten das Schloss zusammen und gravierten Verzierungen. Den Repassierern fiel die Aufgabe zu, die Teile der Waffen zusammenzusetzen und sie funktionstüchtig aufeinander abzustimmen, so dass die Einschießer dann die ersten Kugeln abfeuern konnten.

Heute liefern vor allem die Firmen der Waffenindustrie Gewehre für Jagd und Sport. Doch der Büchsenmacher im Spezialgeschäft bleibe unverzichtbar, sagt Adamy. Er ist der Fachmann in der Kundenberatung und beim «Anpassen» der Waffe: So sorgt er beispielsweise dafür, dass der Schaft in die richtige Lage zur Körpergröße und der Haltung des einzelnen Schützen gebracht wird.

Beim Aufsetzen des Zielfernrohres muss er nach Adamys Angaben auf den Abstand zwischen dem optischen Gerät und den Augen des Schützen achten, damit es durch den Rückstoß nicht zu Verletzungen kommt. Und nicht zuletzt gehen Büchsenmacher auch auf individuelle Wünsche ihrer Kunden ein - etwa im Blick auf Verzierungen oder nach einem Monogramm am Gewehr.

Voraussetzung für eine Ausbildung zum Büchsenmacher ist in der Regel der Hauptschulabschluss, einige Betriebe verlangen die Mittlere Reife (Fachoberschulreife). In dreieinhalb Jahren Lehrzeit stehen laut Ausbildungsordnung die Techniken der Metallbearbeitung und der Umgang mit Holz- und Kunststoffen auf dem Programm. Weitere Fächer sind Waffentechnik, Ballistik, Optik und die rechtlichen Grundlagen des verschärften Waffengesetzes. Die Ausbildung erfolgt in einem Meisterbetrieb und in einer Berufsschule.

Suhl hat unter Schützen einen besonderen Ruf: Die Stadt stieg im 16. Jahrhundert zur «Waffenschmiede Europas» auf, als sich Büchsenmacher aus Nürnberg hier niederließen. Für Jagdwaffen ist die Stadt im Thüringer Wald auch heute noch eine Top-Adresse. «Etwa 30 Büchsenmacherbetriebe arbeiten hier nach alter Tradition», sagt Adamy. Eine Berufsfachschule für Büchsenmacher gibt es ebenfalls in Suhl. Ohne eigene Lehrstelle bringt man es hier in drei Jahren theoretischem und praktischem Vollzeitunterricht zur Prüfungsreife vor der Handwerkskammer.

«Gut ausgebildete Fachkräfte werden weiterhin gesucht», sagt Christel Linß, Inhaberin eines kleinen Betriebes für Jagdwaffen in Suhl. «Kunden wünschen von uns das maßgeschneiderte Jagdgewehr.» Die wesentlichen Einzelteile bezieht Linß von der Industrie und produziert dann daraus je nach Bestellung Doppelbüchsen, Büchsflinten oder Drillinge.

Nicht viele junge Leute entscheiden sich für die Ausbildung in dem traditionsreichen Beruf. Auch die Zahl der Fachgeschäfte, die die Bedürfnisse der Jäger und Sportschützen bedienen, ist beschränkt. «Kriegswaffen gibt es bei uns nicht», erklären alle befragten Büchsenmachermeister. Diese werden in Fabriken hergestellt.

Die Fortbildung vom Gesellen zum Meister erfolgt in einem Betrieb, kann aber auch an der Gewerblichen Schule Ehingen in der Nähe von Ulm in Baden-Württemberg, einem weiteren Zentrum der Waffenfabrikation, absolviert werden. «Neun Monate bei 40 Wochenstunden dauert der Vorbereitungskurs zur Meisterprüfung», sagt Oberstudienrat Roland Ernst. «Das Meisterstück liegt darin, dass der Kandidat oder die Kandidatin eine komplette Waffe von eigener Hand fertigen muss.» Die Prüfung werde von der Innung abgenommen. In Ehingen gibt es auch eine Berufsschule für Lehrlinge, die in einem der Betriebe der Gegend ihre Ausbildung erhalten.

Schusswaffen stehen seit dem Blutbad von Erfurt im vergangenen Frühjahr besonders in der Kritik. Die Büchsenmacher, die sich immer wieder gegen den unsachgemäßen Umgang mit Gewehren oder Pistolen aussprechen, verurteilen die schreckliche Tat unisono. Ihren Berufsstand sehen sie durch derartige Fälle dennoch nicht gefährdet. «So lange es Jäger und Sportschützen gibt, muss sich jemand um die Waffen kümmern», sagt Adamy.

Informationen: Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler (VDB), Wilhelmstraße 16, 35037 Marburg, Bundesinnungsverband für Büchsenmacher, Kirchgasse 7, 98527 Suhl

http:/www.vdb-waffen.de

http:/www.buechsenmacher.org


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