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2002-09-30 09:55:16

Nachtarbeiter haben großen Belastungen



Berlin/Hannover (/gms) - Ob Polizist, Krankenschwester oder Busfahrer, in vielen Berufen wird rund um die Uhr Dienst getan. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden arbeiten rund 2,8 Millionen Menschen ständig oder regelmäßig zwischen 23.00 und 6.00 Uhr, immerhin 2,2 Millionen tun es gelegentlich.

«Schaffen», wenn alle anderen schlafen, kann Vorteile haben: In der Fabrikhalle oder auf der Krankenstation ist es ruhiger als tagsüber. Wer nachts arbeitet, kämpft allerdings ständig gegen seinen Biorhythmus. Und meist leiden unter der Nachtarbeit auch Familie und Freundschaften. «Menschen sind keine Fledermäuse», sagt Reinhard Dombre vom Deutschen Gewerkschaftsbund, kurz DGB. «In der Nacht sind wir weniger leistungsfähig als am Tag, deshalb muss sich ein Nachtarbeiter für die gleiche Leistung viel mehr anstrengen.» So falle beispielsweise die Konzentration schwerer: «In der Nacht, besonders zwischen 2.00 und 4.00 Uhr, haben fast alle Menschen einen Tiefpunkt. Deshalb steigt dann das Risiko von Unfällen stark an.»

Andreas Boernsen, Student und ausgebildeter Krankenpfleger aus der Nähe von Hamburg, arbeitet seit 17 Jahren auch nachts: «Bei meinen ersten Nachtdiensten im Krankenhaus war die Belastung vor allem deshalb sehr groß, weil ich allein für eine Station verantwortlich war.» Heute arbeitet er neben dem Studium im betriebsärztlichen Dienst bei einer Druckerei. «Im Vergleich zum Tag geht es dort nachts natürlich ruhiger zu.» Allerdings spüre er die Belastung durch die verschobenen Arbeitszeiten: «Nach fünf Nachtdiensten fühle ich mich total ausgepumpt», sagt der Student.

«Wegen der äußeren Umstände, zum Beispiel Licht und Lärm am Tag, ist eine komplette Umstellung des persönlichen Rhythmus auf die Nachtarbeit nicht möglich», sagt Friedhelm Nachreiner, Professor für angewandte Psychologie mit dem Schwerpunkt Arbeitspsychologie an der Universität Oldenburg. «Deshalb haben viele Nachtarbeiter Schlaf- und Verdauungsstörungen, weil der eigentliche körperliche Rhythmus gestört ist.» Aus gesundheitlicher Sicht seien möglichst kurze Nachtschicht-Intervalle empfehlenswert. Fest stehe aber, dass jede Form von Nachtarbeit die Gesundheit belaste.

Außerdem spielen laut Johanna Knüppel vom Deutschen Bundesverband für Pflegeberufe, kurz DBfK, die persönlichen und sozialen Folgen eine große Rolle: «Wer viel oder ausschließlich nachts arbeitet, dem gehen irgendwann die sozialen Kontakte verloren», so Knüppel, die selbst als Krankenschwester arbeitet. Allerdings genössen es auch einige Kollgen, in den Nachtdienst «abzutauchen».

Eine der stärksten Motivationen für den Nachtdienst ist laut Knüppel der zusätzliche Verdienst: «Pflegekräfte können durch Nachtschichten im Monat bis zu 100 Euro mehr verdienen.» Attraktiv sei der Nachtdienst auch für Teilzeitkräfte: «Wer viel nachts arbeitet, kann fast so viel verdienen wie in einer Vollzeitstelle.» Grundsätzlich haben Arbeitnehmer für Nachtarbeit ein Anrecht auf Freizeitausgleich oder einen Zuschlag. «Meist liegen Ausgleich oder Zuschlag bei 25 Prozent», sagt DGB-Tarifexperte Dombre.

Nachreiner rät allen Nachtarbeitern, bewusst mit ihren Schlaf- und Essgewohnheiten umzugehen und sich einen Rhythmus anzugewöhnen: «Ob sich derjenige gleich ins Bett legt oder nicht, ist egal, nur regelmäßig sollte das Verhalten sein.» Außerdem sollten mitten in der Nacht auch bei starkem Hunger keine großen, fettigen Portionen gegessen werden, weil darauf der Verdauungsapparat nicht eingestellt ist. «Nachtarbeiter sollten sich auch nicht vollkommen aus dem sozialen Leben zurückziehen.» Für Treffen mit Freunden oder Kinobesuche sollten sie sich in jedem Fall Zeit nehmen, auch wenn dies eine umfangreichere Planung erfordere als bei «Tagarbeitern».


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