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2002-09-23 09:37:31

«Kammerjäger»sind unverzichtbare Helfer



Hamburg/Kempen (/gms) - In der Dämmerung huschen sie in Parkanlagen zu überquellenden Abfalleimern und laben sich dort am Wohlstandsmüll. Und Ratten dringen auch in heimische Gärten und Wohnungen vor. Dann wird schnell nach dem «Kammerjäger» gerufen. Aber auch in anderen Bereichen sind die Helfer aktiv.

Die Schädlingsbekämpfer sorgen auch dafür, dass in Restaurants keine Schaben in den Ecken hocken, Getreidesilos von gefräßigen Käfern frei bleiben und die Zahl der verwilderten Stadttauben nicht übermäßig anschwillt. «Heute gibt es in Deutschland etwa 1100 Betriebe in dieser Branche», sagt der Geschäftsführer des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes, Kurt Kreizberg in Bonn. Früher musste Schädlingsbekämpfung in der Bundesrepublik mit handwerklicher Erstausbildung erlernt werden, inzwischen ist es ein Umschulungsberuf. Die Ausbildung erfolgt in privaten Einrichtungen, die Abschlussprüfung muss vor einem Ausschuss der Industrie- und Handelskammer abgelegt werden. In der ehemaligen DDR galt bis zuletzt das «klassische Modell»: Lehrling, Geselle, Meister.

Hans-Günther Thelen ist Fachausbildungsleiter an der auf diese Lehrgänge spezialisierten DEULA Rheinland GmbH in Kempen. «Die Teilnehmer der Lehrgänge kommen aus verschiedenen Berufen. Handwerker aller Art, Agrartechniker, Biologen sind darunter», sagt Thelen. Der Frauenanteil beträgt etwa zwölf Prozent. Der Lehrplan umfasst mindestens 364 Unterrichtsstunden über Physik, Chemie, Biologie, Toxikologie, Arbeitsschutz, Gerätekunde, detaillierte Aufklärung über Schädlinge und Unterweisung in verschiedenen Schutztechniken, in Wirtschafts- und Sozialkunde sowie in Betriebs- und Personalführung.

Parallel dazu ist eine zweijährige Praxis in einem Betrieb der Schädlingsbekämpfung oder verwandten Bereichen notwendig, vorausgesetzt, es liegt bereits eine mit Erfolg absolvierte Ausbildung in einem anerkannten Beruf vor. Sonst sind vier Jahre berufliche Tätigkeit notwendig, von denen zwei der praktischen Umschulung dienlich sein müssen. Die Kurse kosten zwischen 2740 und 3750 Euro. Eine weitere Ausbildungsstätte ist die Desinfektorenschule in Bad Kreuznach, die auch Fernlehrgänge anbietet.

Matthias Schmidt, Absolvent der DEULA und inzwischen Inhaber eines kleinen Betriebes zur Schädlingsbekämpfung in Großhansdorf, weiß die Ausbildung zu schätzen: «Man hat mit Giftstoffen zu tun und muss genau die Gefahren für sich und die Umwelt kennen.» Zu Gift greift Schmidt jedoch nur, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. «Fühlt sich jemand durch ein Wespennest im Garten gestört, so bietet sich aus Gründen des Naturschutzes eher eine Umsiedlung des ganzen Schwarms als die chemische Keule an.»

Beim Käferbefall in Getreidesilos hilft allerdings nur der Einsatz von Giften. Gegen Ratten und Mäusen gehen die Schädlingsbekämpfer meist mit so genannten Blutgerinnungshemmern vor, die nach einigen Tagen zum Tod der Nager führen. «Wichtig ist auch das frühe Erkennen von Schädlingen», sagt Schmidt: «Eine Maus im Haus kann ein Zufall sein, doch in der Regel sind es mehrere, die sich durch ihre Fruchtbarkeit schnell vermehren.»

Im Verband und auch in der Ausbildungsstätte DEULA sieht man gute Chancen für den Beruf des Schädlingsbekämpfers, der nicht nur als Selbstständiger oder in privatwirtschaftlichen Unternehmen, sondern auch in Krankenhäusern, in der Industrie und Entsorgungsbetrieben ein Betätigungsfeld findet. «Die Menschen unserer Wegwerfgesellschaft werden gleichgültiger in Hygienefragen», nennt Hans-Günther Thelen einen Grund dafür. Aber auch durch die Wärmezunahme in unseren Breiten fühlten sich die Schädlinge wohl.

Informationen: Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband, Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn, Tel.: 0228/819 81 30, Fax: 0228/819 81 35.

http://www.dsvonline.de


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