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2002-09-09 09:32:27

Studium neben Beruf zahlt sich nicht immer aus



Niederneuching/Düsseldorf (/gms) - Acht Stunden arbeiten und abends am heimischen Schreibtisch noch Theorie büffeln, nicht jeder ist für ein Studium neben dem Beruf geschaffen. Organisiertheit und Zielstrebigkeit sind unabdingbar. Wer die Doppelbelastung durchsteht, hat nicht nur Fachwissen erworben, sondern auch Durchhaltevermögen bewiesen.

So wie Heiko Härtel, der 37-Jährige aus Niederneuching bei München hat vor einem Jahr sein Studium der Betriebswirtschaft an einer privaten Fachhochschule abgeschlossen. Vier Jahre lang galt es, Job, Studium und Privatleben miteinander zu vereinbaren. «Ich bin in der Regel um sechs Uhr aufgestanden, habe eine Stunde gelernt und bin dann zur Arbeit gefahren», erzählt Härtel. Abends habe er weitere zwei Stunden am Schreibtisch gesessen. Auch der Samstag musste in der Regel für das Bücherstudium herhalten. Einfach war das nicht, «Man muss sich stark organisieren und lernen, den inneren Schweinehund zu überwinden.»

Daher ist es laut Michael Lercher wichtig, das passende Studienangebot auszusuchen. Dem Redakteur des in Nürnberg erscheinenden Handbuchs «Studien- und Berufswahl» zufolge stehen öffentliche und kostenpflichtige private Angebote zur Wahl. Die FernUniversität Hagen sei die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland, die in annähernd allen akademischen Feldern Studiengänge anbietet. Auch eine zunehmende Zahl Online-Studiengängen biete Berufstätigen die Möglichkeit zum Erwerb akademischer Abschlüsse.

Nicht jeder ist jedoch ein Typ für die Doppelbelastung. «Ich glaube, dass ein Familienvater mit kleinen Kindern das nicht über mehrere Jahre durchhalten kann», sagt Bernd Andersch, Karrierecoach in Düsseldorf. Entweder Studium oder Familie kämen auf Dauer zu kurz. 15 Stunden pro Woche müssten Berufstätige für die akademische Weiterbildung einplanen, sagt Heiko Härtel. Wichtig sei daher, vor Beginn des Studiums den Arbeitsaufwand und die privaten Entbehrungen realistisch einzuschätzen. «Das Lernen fällt umso schwerer, je länger Schule oder ein erstes Studium zurück liegen», warnt Bernd Andersch.

Manchmal werde ein Studium auch aus finanziellen Gründen abgebrochen, weiß Hans-Jörg Groscurth von den AKAD Privat-Hochschulen in Stuttgart. Semesterpauschale, Fahrtkosten und Prüfungsgebühren musste Heiko Härtel etwa aus eigener Tasche zahlen, insgesamt rund 15 300 Euro. Zwar bieten einige Hochschulen Wege an, bei hoher Berufsbelastung die Studiendauer zu verlängern. Der finanzielle Aufwand müsse einem aber klar sein, so Härtel.

Laut einer Absolventenstudie der Fernuniversität Hagen aus dem Jahr 1996 lohnt es sich, berufsbegleitend ein Diplom zu erwerben. Bei den befragten Wirtschaftswissenschaftlern etwa steigerte sich das durchschnittliche Bruttoeinkommen um rund 11 250 Euro. In den Personalabteilungen wird das Studium neben dem Beruf aber offenbar unterschiedlich bewertet. Bei Bosch in Stuttgart etwa wird es gefördert. Laut Pressesprecherin Claudia Arnold sei auch eine Freistellung möglich. Henkel in Düsseldorf gewährt keine finanzielle Unterstützung. Flexible Arbeitszeitregelungen werden auch hier gewährt, so Sprecherin Heike Ambaum. Höher geschätzt als ein herkömmlicher Studienabschluss werde der Ausbildungsweg aber nicht.


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