<< Zurück zur JOBBER-Startseite >>

2002-09-02 09:53:29

Wieder mehr Interesse am Meistertitel



Düsseldorf/Berlin (/gms) - Übung macht den Meister, sagt ein Sprichwort. Im Handwerk ist es damit aber nicht getan. Wer den Titel erwerben und sich damit im Betrieb für höhere Aufgaben qualifizieren möchte, muss nicht nur eine mehrjährige Berufspraxis nach der Gesellenprüfung nachweisen. Die Meisterprüfung selbst ist ein dickes Brett, an dem manche lange bohren.

«Ein Vollzeitlehrgang dauert im Schnitt neun bis zwölf Monate», sagt Sigrid Lisson von der Handwerkskammer Düsseldorf, dem größten Bildungsträger im deutschen Handwerk. «Ein Teilzeitlehrgang lässt sich theoretisch auf 100 Jahre strecken.» Der in der Meisterschule zu treibende Aufwand hängt vom gewählten Handwerk und der verfügbaren Zeit ab. Fleischer haben ihren Stoff in Düsseldorf bei Blockunterricht schon nach fünf Monaten bewältigt, in der Abendschule sind mit anderthalb Jahren die Friseure am schnellsten. Besonders viel Geduld brauchen mit jeweils mehr als der doppelten Dauer die Installateure.

Vollzeitlehrgänge ziehen sich nicht nur weniger in die Länge, sie weisen auch die niedrigeren Abbrecherquoten auf. «Allerdings müssen sich die Teilnehmer dafür von der Arbeit beurlauben lassen oder sogar kündigen», gibt Karl Spelberg vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin zu bedenken. Die Kosten sind bei beiden Unterrichtsarten identisch. Sie reichen in Düsseldorf von 2400 Euro bei den Konditoren bis 7000 Euro bei den Zahntechnikern.

Diese Belastungen und der geringere Zulauf zum Handwerk insgesamt haben zuletzt zu einem Mangel an Meisternachwuchs geführt. «2001 hatten wir rund 30 000 bestandene Prüfungen. Zehn Jahre zuvor waren es noch 40 000», klagt Spelberg. Seit der Staat zu Anfang des Jahres sein Meister-BAföG aufgebessert hat und 35 Prozent der Förderung als Zuschuss bezahlt, scheint aber die Trendwende geschafft. So hat sich die Zahl der Anträge nach einer ZDH-Umfrage in manchen Bundesländern mehr als verdoppelt.

Das Geld scheint auf beiden Seiten gut angelegt. In den kommenden zehn Jahren stehen nach Angaben des ZDH mehr als 200 000 Handwerksbetriebe vor einem Generationswechsel. Der Meistertitel ist Voraussetzung, um einen Handwerksbetrieb zu übernehmen oder zu gründen. Wer sich nach der Prüfung selbstständig macht, kann sogar doppelt von der Neuregelung beim Meister-BAföG profitieren: Existenzgründern werden unter bestimmten Umständen weitere drei Viertel des zinsgünstigen Darlehens erlassen.

In finanzieller Hinsicht ist der Meister-Marathon also entschärft worden. Nun gehen Bestrebungen dahin, die Lehrgänge auch zu beschleunigen. So hat die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk in Düsseldorf ein E-Learning-Programm entwickelt, mit dessen Hilfe die Präsenzzeiten in den Meisterschulen reduziert werden können. Von den vier Abschnitten eines Meisterlehrgangs, dies sind Fachpraxis, Fachtheorie, Wirtschafts- und Rechtskunde, Ausbildereignungsprüfung, lassen sich jetzt die letzten beiden zum Teil am heimischen PC absolvieren.

Der Weiterbildungshunger muss nach der Verleihung des Meistertitels aber nicht gestillt sein. Rund 500 weitere Unterrichtsstunden sind nötig, bevor vor einer Handwerkskammer die Prüfung zum Betriebswirt HWK abgelegt werden kann. In Niedersachsen öffnen sich Meistern neuerdings sogar die Tore der Hochschulen, auch ohne Abitur und unabhängig vom in Frage stehenden Fach. «Wir hoffen, dass andere Länder nachziehen», sagt Spelberg vom ZDH.

Der Meister ist zwar der Dreh- und Angelpunkt der Weiterbildung im Handwerk. Gesellen können ihr Profil aber auch schon vor dem Erreichen der geforderten Berufspraxis von in der Regel zwei Jahren schärfen. So haben etwa Kfz-Techniker die Chance, sich in 400 Unterrichtsstunden zum geprüften Kfz-Servicetechniker zu qualifizieren. Der Kurs kann später als Teil zwei der Meisterprüfung angerechnet werden. Der Meister bleibt trotz der Erleichterungen ein anspruchsvolles Ziel, aber auch ein lohnendes. Die Arbeitslosenquote ist bei derart qualifizierten Fachkräften geringer als unter Akademikern.

Informationen: Zentralverband des Deutschen Handwerks, Mohrenstraße 20/21, 10117 Berlin, Tel.: 030/20 61 90, Fax: 030/20 61 94 60, E-Mail: info@zdh.de.

http://www.zdh.de


Eine Übersicht aller News gibts hier.



<< Zurück zur JOBBER-Startseite >>