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2002-08-19 10:50:05 Sekretärin wird zur BüromanagerinBremen/Bonn (/gms) - «Fräulein Müller zum Diktat», Sätze wie dieser fallen in angestaubten Spielfilmen, aber nicht mehr im realen Büroalltag. Die Arbeit von Sekretärinnen ist so vielschichtig geworden, dass manche die alte Berufsbezeichnung sogar als Beleidigung empfinden. «Assistentin» oder «Office-Managerin» erscheint angemessener. Das Tippen von Briefen tritt zunehmend in den Hintergrund und stattdessen wollen etwa Online-Konferenzen organisiert werden. Die Aufwertung hat ihren Preis. «Ohne ständige Weiterbildung läuft gerade in diesem Beruf gar nichts mehr», sagt Sigrid Schäffer vom Bundesverband Sekretariat und Büromanagement (bsb) in Bremen. Während sich viele größere Unternehmen um die technische Schulung ihrer Angestellten noch selbst kümmern, liegen die weichen Themen meist in den Händen externer Trainer. «Kommunikation steht bei uns an erster Stelle», sagt Claudia Hovermann, Leiterin der Akademie für Sekretariat und Büromanagement in Lippstadt, Nordrhein-Westfalen. Teilnehmer üben sich etwa in Rhetorik und Konfliktmanagement. Titel von Veranstaltungen lauten «Power-Talking im Sekretariat» oder «Professionelle Chefentlastung». Die meist ein- bis zweitägigen Seminare werden von der Akademie in Hotels in deutschen Großstädten abgehalten. Meist kommen die Arbeitgeber für die Kosten auf. So wie es keinen standardisierten Zugang zum Beruf der Sekretärin gibt, sind auch die Angebote zur Weiterqualifizierung unübersichtlich. Die einzige Fortbildung mit amtlichem Siegel endet mit der Prüfung zum «Fachkaufmann/-frau Büromanagement» vor einer Industrie- und Handelskammer (IHK). Voraussetzung für die Teilnahme ist neben zweijähriger Berufserfahrung eine vorherige kaufmännische Ausbildung, etwa zum Industrie- oder Bürokaufmann oder zum Kaufmann Bürokommunikation. Interessenten ohne Ausbildung müssen eine einschlägige Berufserfahrung von fünf Jahren nachweisen. Die Lehrgänge werden von verschiedenen Bildungsträgern angeboten, so auch an den Standorten der gewerkschaftsnahen Deutschen Angestellten-Akademie (DAA), von Volkshochschulen und von den örtlichen IHKs. Der Unterricht findet meist über ein bis zwei Jahre berufsbegleitend am Abend oder an Wochenenden statt, die Kosten liegen zwischen 2000 und 3000 Euro. Über das so genannte Meister-BAföG beteiligt sich der Staat mit einem Zuschuss in Höhe von 35 Prozent. Der Titel «Fachkaufmann/-frau Büromanagement», der dem Meister im Handwerk entspricht, ist noch kein Jahr alt und entsprechend unbekannt. Zuvor hieß der Abschluss «Sekretariatsfachkaufmann/-frau», bis 1996 schlicht «Geprüfte Sekretärin». Auch hier hat man sich also über einen Zwischenschritt von der alten Berufsbezeichnung verabschiedet. «Die neue Fachkauffrau ist keine Tippse, sondern eine Spezialistin im mittleren Management», sagt Anja Gühnen vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Bonn. Mit der Umbenennung gingen auch inhaltliche Änderungen einher. So wurde etwa die Stenografie zu Gunsten neuer Technologien aus dem Prüfungsstoff verbannt. Auch in den 90 Bildungseinrichtungen, die dem Sekretariatsverband bsb angeschlossen sind, können sich Interessenten auf die IHK-Prüfung vorbereiten. «Aber die Nachfrage ist gering», sagt Brigitte Schottner vom bsb-Prüfungsausschuss. Sie führt das auf den Begriffs-Wirrwarr der Vergangenheit zurück. Deutlich beliebter seien die hauseigenen Abschlüsse des Verbandes. So kann man sich - unter ähnlichen Voraussetzungen wie bei der IHK-Fortbildung, in zwölf Monaten zur Managementassistentin qualifizieren. Danach lassen sich Direktionsassistentin und Betriebswirtin draufsatteln, alle mit dem Zusatz bsb. Die monatlichen Kosten für die Fortbildungen beziffert Brigitte Schottner mit 110 bis 130 Euro. Die Gebühren werden oft zwischen Arbeitnehmer und -geber aufgeteilt. «Aber manche Teilnehmer wollen sich beruflich verbessern und zahlen aus eigener Tasche», so Brigitte Schottner. Die Erwartung, nach der Fortbildung automatisch zur Chefsekretärin aufzusteigen, erweist sich aber nicht selten als trügerisch. «In Zeiten wie diesen», weiß Schottner, «muss man schon für den Erhalt der eigenen Arbeitsstelle etwas tun.» Informationen: Bundesverband Sekretariat und Büromanagement, Schlachte 12/13, 28195 Bremen, Tel.: 0421/367 72 77, Fax: 0421/367 72 76, E-Mail: Geschaeftsstelle@bsb-berufsverband.de. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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