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2002-08-05 11:03:35 Studienabbruch muss nicht seinBerlin/Heidelberg (/gms) - Gründe dafür, die Universität vorzeitig und ohne Abschluss zu verlassen, gibt es viele. Oft kommen mehrere Ursachen zusammen. Katharina Vohl hat sich irgendwann nur noch verloren und alleine gefühlt. Ihr Studium an der Universität Saarbrücken war schließlich ganz anders, als sie sich erhofft hatte. Überfüllte Kurse, keine bekannten Gesichter in den Vorlesungen und das Universitätsgelände zu groß und zu unübersichtlich. «Es hat mir alles einfach Angst gemacht», erinnert sie sich. Jeder vierte Student an Deutschlands Universitäten und Fachhochschulen bricht sein Studium ab. Das ergab die im Juli 2002 veröffentlichte Studienabbruchstudie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover. Besonders hoch ist die Abbruchquote dabei in den Fächern Sprach- und Kulturwissenschaften mit 33 Prozent. Katharina Vohl hat nach zwei Jahren einen Schlussstrich gezogen und eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau absolviert. «Beinahe jeder stellt sich während des Studiums einmal die Frage, ob er auch die richtige Entscheidung getroffen hat», sagt Antje Wetzel von der Psychotherapeutischen Beratung des Studentenwerkes der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Viele Studierende scheitern an Krisen, die sie vermeiden oder überwinden könnten. Als besonders schwierig gelten dabei meist die ersten Semester. «Anfänger sollten akzeptieren, dass der Einstieg schwer fallen kann und es in den ersten Monaten nicht unbedingt nach Wunsch läuft», sagt Beate Schuhmann von der Psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerkes Jena-Weimar. «Man sollte jedoch in sich gehen und überlegen, ob die Studienwahl auch tatsächlich richtig war und nicht nur auf Anraten der Eltern oder Freunde erfolgt ist», so Schuhmann. Häufig hätten Studenten auch eine falsche Vorstellung von ihrem Studium, sagt Antja Wetzel. Wer sich bereits vor Studienbeginn gründlich informiert, etwa mit Studenten höherer Semester spricht oder sich an Beratungsstellen wendet, kann das Risiko einer späteren Krise im Studium gering halten. Universitätsneulinge müssen zudem oft erstmals in ihrem Leben um neue Freundschaften werben und soziale Kompetenz beweisen. «Ich war damals nicht kontaktfreudig genug», sagt etwa Studienabbrecherin Vohl. Doch Kontakte müssten besonders gepflegt werden, sagt Holger Walter von der Psychologischen Beratungsstelle der Humboldt-Universität zu Berlin: «Niemand schafft es, ein Studium alleine durchzuziehen». Neben den ersten Semestern beobachtete Schuhmann noch zwei weitere kritische Studienphasen. Gegen Mitte des Studiums und kurz vor dem Abschluss, «Mitte des Studiums hat das Studieren den Reiz des Neuen verloren - gleichzeitig ist ein Abschluss aber noch nicht in Sicht.» In solchen Zeiten sollte man zurückblicken und die ursprünglichen Erwartungen mit der Wirklichkeit vergleichen. «Man sollte sich jetzt nochmal neu für das Studium entscheiden und sich etwa bisher vernachlässigten Bereichen widmen.» Besonders hohe Abbruchquoten weisen wenig strukturierte Studiengänge auf. «Keine verbindlichen Abgabetermine für Hausarbeiten stellen für manche Studierende ein Problem dar», sagt Diplompsychologin Wetzel. So quälen sich Studenten oft gleichzeitig mit vier bis fünf Hausarbeiten über mehrere Semester hinweg und scheitern schlussendlich an einer unrealistischen Zeitplanung. Dabei könnten sie oft selbst ihrem Studium eine Struktur geben: Etwa durch Zeitpläne in denen der Lernstoff auf einen bestimmten Zeitraum aufgeteilt wird. Die Pläne sollten jedoch realistisch sein und ausreichend Pausen und Zeit für Hobbys lassen. Nicht selten scheitern Studenten auch am letzten Kraftakt vor dem Examen. «Viele haben längst die Regelstudiendauer überschritten, sobald sie sich an eine Beratung wenden», sagt Holger Walter von der Humboldt-Universität in Berlin. Manche der Rat suchenden Studenten haben sich schon seit Jahren kaum mehr an der Universität aufgehalten. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen: Einige haben etwa erkannt, dass sie nicht mehr in dem Bereich tätig werden möchten. Andere leiden unter Schreibblockaden oder unter starken Prüfungsängsten. «Man muss sich bewusst sein, dass man nie den ganzen Lernstoff beherrschen kann, und auch eine Prüfung letztendlich von der Tagesform abhängt», so Schuhmann. Hilfe in der Krise bieten in der Regel die Beratungsstellen der Studentenwerke. Das Studentenwerk und die Universität Heidelberg führen seit dem vergangenen Wintersemester das Modellprojekt «Studiencoaching» durch. Dabei sollen Kompetenzen wie sichere Entscheidungsfindung, produktive Arbeitsgestaltung und der Umgang mit Konflikten vermittelt werden. So werden derzeit den Germanistik- und Anglistikstudenten der Universität individuelle Beratungsgespräche über einen längeren Zeitraum an ihren jeweiligen Instituten angeboten. Dennoch kann der Studienabbruch auch positive Folgen haben. So spricht Katharina Vohl heute von der «besten Entscheidung ihres Lebens». Die Ausbildung hat letztlich ihr Interesse an einem Fachhochschulstudium geweckt, und heute ist sie im Marketingbereich eines renommierten Unternehmens in Lyon tätig. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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