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2002-07-08 09:43:18 Tanzlehrer - wenn das Hobby zum Beruf wirdJever/Erftstadt (/gms) - Jeden Abend tanzen, schicke Klamotten tragen und morgens lange schlafen - für Außenstehende sind Tanzlehrer oft die Angehörigen eines wenig ernsthaften Berufsstandes. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. «Der Tag beginnt oft erst um 14.30 Uhr und kann dann auch bis Mitternacht dauern», sagt Markus Gretenkord, Tanzlehrer in Frankenthal in Rheinland-Pfalz. Kaum ein Wochenende ist frei, hinzu kommt viel organisatorische Arbeit. «Dafür ist der Beruf spannend und abwechslungsreich - man hat viel mit Menschen zu tun», sagt der 20-Jährige, der erst vor wenigen Monaten seine Ausbildung beim Allgemeinen Deutschen Tanzlehrer-Verband (ADTV) abgeschlossen hat. Rund 150 Männer und Frauen beginnen jährlich eine Ausbildung beim ADTV, etwa 40 sind es beim Berufsverband Deutscher Tanzlehrer (BDT). «Die meisten sagen: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht», erläutert Carmen Bokelmann, Tanzlehrerin in Jever (Niedersachsen) und Leiterin der ADTV-Tanzlehrerakademie. Beim ADTV besteht die Ausbildung aus zwei Stufen: Nach einer zweijährigen Lehre mit anschließender Prüfung ist es bereits möglich, in einer Tanzschule als Assistenz-Tanzlehrer zu arbeiten. Anschließend folgt berufsbegleitend eine mindestens einjährige Fortbildung, an deren Ende die Teilnehmer - nach bestandenen Prüfungen - als «Tanzlehrer ADTV» Tanzunterricht in eigener Regie betreiben dürfen. Der BDT dagegen kennt nur eine einphasige, drei Jahre dauernde Ausbildung, so BDT-Präsident Thomas Latus in Erftstadt bei Köln. Doch ist dies mehr eine organisatorische Frage: «Die Ausbildungsinhalte unterscheiden sich kaum.» Neben Standard- und lateinamerikanischen Tänzen stehen Musiktheorie, Bewegungstechniken und Animation auf dem Lehrplan, so Bokelmann. Hinzu kommen Rhetorik und Didaktik. «Gründlich ausgebildet wird auch in Umgangsformen», so die Leiterin der ADTV-Akademie. Das Fach Betriebswirtschaftslehre schließlich soll den Auszubildenden später das Führen einer Tanzschule ermöglichen. Während die praktische Ausbildung in einer Tanzschule stattfindet, wird die Theorie in überregionalen Berufsschulen vermittelt. Wenn die angehenden Tanzlehrer ihre Ausbildung beginnen, liegen oft schon Jahre des Tanzens hinter ihnen. «Sie können nicht bei Null anfangen, sondern müssen schon alle Tanzkurse bis zum Goldstar durchlaufen haben», sagt Bokelmann. Doch ist dies nicht die einzige Voraussetzung für den Beruf: «Es nützt nichts, wenn man schön tanzen, es aber nicht vermitteln kann», so die Ausbilderin. Auch Angst vor körperlicher Nähe sei in dem Beruf fehl am Platz. Zudem müssen die Bewerber bei ADTV und BDT körperlich fit sein, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen sowie einen allgemein bildenden Schulabschluss vorweisen können. Das Mindestalter liegt bei 18 Jahren. «Wenn jemand siebzehneinhalb ist, ist das aber auch kein Problem», so Latus. Die Arbeitsmöglichkeiten nach dem Ende der Ausbildung sind den Verbänden zufolge hervorragend. «Wir suchen immer noch Hände ringend Tanzlehrer», sagt Latus. Das bestätigt auch Carmen Bokelmann: «In dem Beruf gibt es sehr viele Frauen», sagt die Ausbilderin. Wenn diese in das heiratsfähige Alter kämen, gebe es meist eine Interessenkollision zwischen Familie und Beruf. Oft quittierten sie dann ihren Job und arbeiteten bestenfalls noch halbtags. Darüber hinaus wollen viele Tanzschulen ihr Angebot erweitern und richten spezielle Kurse für Kinder und Jugendliche ein. So gibt es Breakdance- und Hiphop-Seminare, gefragt ist laut BDT-Präsident Latus auch das Videoclip-Tanzen, bei denen Jugendliche die Choreografien ihrer Stars nachtanzen. Immer wichtiger wird den Experten zufolge auch die Arbeit mit Kindern. Der ADTV bietet daher seit Mai 1998 eine einjährige Ausbildung zum Kindertanzlehrer an. Psychologie, aber auch die kindliche Anatomie spielten hier eine große Rolle. Die Palette der Tänze reiche vom kreativen Kindertanz bis hin zum reinen Spieltanzen, so Bokelmann. Große Reichtümer lassen sich auf dem Tanzparkett nicht erwerben. Während der Ausbildung verdienen die angehenden Tanzlehrer zwischen rund 250 und 300 Euro monatlich. «Ein Berufsanfänger kommt auf um die 1500 Euro brutto, Spitzenverdiener können 2500 bis 3000 Euro verdienen», sagt Bokelmann. Allerdings sei das immer Verhandlungssache - in der Branche gelten weder Tarifverträge noch haben Kammern das Sagen. Die Mehrzahl der Tanzlehrer bliebe zunächst bei einer Tanzschule angestellt. «Die meisten denken natürlich an eine eigene Schule», beschreibt Tanzlehrer Markus Gretenkord das Ziel seiner Kollegen. Die Möglichkeiten seien jedoch noch vielfältiger, so Gretenkord: «Manche Kollegen arbeiten auch mit dem Fernsehen, animieren bei Shows etwa das Publikum.» Andere seien auf Kreuzfahrtschiffen tätig, viele auch als Discjockey auf Tour. Der Kontakt zur Jugend und ihrer Musik ist laut Gretenkord besonders wichtig: «Damit man modern bleibt und mit der Zeit geht.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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