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2002-06-24 09:46:12

Hörgeräteakustiker - Handwerker mit Einfühlungsvermögen



Lübeck/Mainz (/gms) - Des einen Leid ist des anderen Freud´. Die Zahl der Schwerhörigen nimmt mit dem Lärm in unsere Umwelt zu. Vor allem immer mehr junge Menschen benötigen ein Hörgerät, so die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker in Mainz. Der Verband spricht deshalb auch von guten Aussichten für die von ihm vertretende Berufsgruppe.

«Allerdings ist das Image des Hörgeräts schlecht», sagt Michael Schulte Westenberg, stellvertretender Geschäftsführer der biha. «Viele Betroffene vermeiden es viel zu lange, ein Hörgerät zu tragen.» Um so mehr werden vom Hörgeräteakustiker nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch Einfühlungsvermögen gefordert.

«Neben handwerklichem Geschick und technischem Interesse, dürfen die sozialen Aufgaben nicht vergessen werden», sagt Dagmar Worbs, Leiterin der Landesberufsschule für Hörgeräte-Akustik in Lübeck. Der Berufsalltag besteht später zu einem Großteil aus Kundenbetreuung, die mitunter Hausbesuche bei älteren Kunden einschließt, erläutert Claus-Dieter Hams, Meister der Hörgeräteakustik in Hamburg: «Man darf keine Scheu vor dem Umgang mit älteren Menschen haben.»

Drei Jahre dauert die duale Ausbildung. «In dieser Zeit finden acht Berufsschulblöcke von jeweils vier bis fünf Wochen statt», erläutert Schulleiterin Worbs. Auf dem Lehrplan stehen nicht nur Fächer wie Akustik, Gehör- und Lärmschutz, Hörgeräte-Technik, Hörprüfung und betriebswirtschaftliche Grundlagen. Auch medizinische Kenntnisse zum Gehörapparat und soziale Kompetenzen in Hinsicht auf Beratung und Kommunikation mit den Kunden werden im Berufschulunterricht vermittelt.

Ausgelernte Hörgeräteakustiker nehmen später bei Neukunden zunächst so genannte audiographische Messungen am Ohr vor. Dem folgt in der Regel eine Beratung. «Es gibt verschiedenste Hörgeräte-Typen: Im-Ohr-Geräte sind im Gehörgang und voll automatisch. Andere Typen sind hinter der Ohrmuschel angebracht», so Hams. Welches Gerät das richtige sei, hänge von der Art und dem Grad der Schwerhörigkeit ab. Und manchmal sei auch die Größe des Gehörgangs ausschlaggebend. Das alles muss der Hörgeräteakustiker erkennen.

Nach der Auswahl erfolgt Hams zufolge die Anpassung des Hörgeräts. «Das funktioniert in etwa so wie in der Zahntechnik: Man macht zunächst einen Silikon-Abdruck vom Ohr.» Der Abdruck diene dann im Labor als Vorlage für die Herstellung eines individuell angepassten Hörgeräts. Nach der ersten Anprobe komme der Kunde in regelmäßigen Abständen, um die Feinanpassung des Hörgeräts vorzunehmen. Neben der Neuanpassung ist die regelmäßige Kundenbetreuung von Bedeutung.

«Genauso wichtig wie eine gute Anpassung, ist die Kontrolle und Wartung der Hörgeräte», sagt Hams. Sonst drohe ein vorzeitiger Verschleiß des Geräts beispielsweise auf Grund von Oxidation durch den Schweiß des Hörgerät-Trägers. «Die meisten Ausfälle haben wir deshalb immer im Sommer.»

Jährlich beginnen etwa 450 Lehrlinge eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker. Der Verdienst während der Lehrzeit sei nicht tariflich festgelegt, so Michael Schulte-Westenberg vom Innungsverband. Dabei gebe es geringe regionale Unterschiede. Das Einstiegsgehalt für Gesellen liege bei rund 1400 Euro. Die Aussichten auf eine Anstellung sind Dagmar Worbs zufolge gut.

Wer sich selbstständig machen möchte, oder eine leitende Position in einem Betrieb anstrebt, kann nach weiteren drei Jahren Berufserfahrung die Meisterprüfung ablegen, sagt Ludwig Konrad von der Akademie für Hörgeräte-Akustiker in Lübeck: «Entweder entscheidet man sich für die klassische Meisterprüfung, oder man besucht die Fachhochschule.

An der Fachhochschule in Lübeck wird der Studiengang Medizintechnik mit Schwerpunkt Hörgeräteakustik angeboten. Die Meisterprüfung ist in den Studiengang integriert. Voraussetzung für die Zulassung zum achtsemestrigen Studium ist die bestandene Gesellenprüfung sowie die Fachhochschulreife. Es werde Konrad zufolge jedoch angestrebt, vom kommenden Jahr an, den Wechsel von der Berufsschule in den Studiengang zu ermöglichen, sobald das erste Ausbildungsjahr abgeschlossen sei. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums ist man dann diplomierter Hörgeräteakustiker.

Informationen: Bundesinnung der Hörgeräteakustiker, Erthalstraße 1, 55118 Mainz, Tel.: 06131/96 56 00, Fax: 06131/965 60 40, E-Mail: info@biha-mainz.de.

Literatur: In der Reihe «Blätter zur Berufskunde» ist unter der Bestellnummer 1-II F 202 der Titel «Hörgeräteakustiker/in» erschienen. Das Heft ist kostenlos bei den Arbeitsämtern erhältlich.

http://www.bihalink.de


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