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2002-06-03 09:34:55 Diamantschleifer - ein hochkarätiger BerufIdar-Oberstein (/gms) - Rein chemisch betrachtet sind sie nur kristallisierter Kohlenstoff. Doch viele Menschen sehen in ihnen den Stoff, aus dem die Träume sind: Diamanten. Ihr strahlender Glanz und ihre Ästhetik üben seit Jahrhunderten eine ungebrochene Faszination aus. Doch Diamanten sind nicht nur schön, sie sind auch nützlich. Als Bestandteil mechanischer Werkzeuge und medizinischer Messer leistet der König unter den Edelsteinen zuverlässige Dienste. In unbearbeitetem Zustand, als so genannter Rohdiamant, wäre der Stein weder als Schmuck noch als Skalpell brauchbar. Er muss von ausgebildeten Fachkräften in die richtige Form gebracht werden. Diese Arbeit ist die Aufgabe der Diamantschleifer. Sie werden in zwei Berufszweige unterteilt und sind entweder auf die Bearbeitung von Schmuckdiamanten oder Industriediamanten spezialisiert. «Diamantschleifer haben das Glück, mit einem ganz besonderen Rohstoff zu arbeiten», sagt Jörg Lindemann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Edelstein- und Diamantindustrie in Idar-Oberstein. Die rheinland-pfälzische Stadt gilt seit dem 19. Jahrhundert als Zentrum der deutschen Diamantschleifer. «Das Handwerk wird heute mit modernster Technik ausgeübt», erklärt Lindemann. «Geblieben ist die Faszination und Herausforderung, die von der Arbeit mit diesen ungewöhnlichen Steinen ausgeht.» Der Beruf ist speziell im Bereich der Bearbeitung von Schmuckdiamanten in Deutschland sehr selten und die Zahl der möglichen Ausbildungsplätze ist entsprechend gering. Häufig stammen Diamantschleifer aus Familien, die dem Handwerk bereits seit mehreren Generationen verbunden sind. Ihre Arbeitsplätze befinden sich meist in mittelständischen Betrieben der Region Idar-Oberstein. Einen solchen Schleiferbetrieb leitet zum Beispiel Dieter Hahn in vierter Generation. «Die fünfte sitzt auch schon in der Werkstatt», sagt Hahn, dessen Ur-Großvater die nunmehr älteste deutsche Schleiferei 1886 gründete. «Wer heute in der Schmucksteinverarbeitung tätig ist, braucht neben handwerklichem Geschick auch ein Gefühl für moderne Technik und stilsichere Kreativität.» Weitere Voraussetzungen sind sehr gutes Sehvermögen, eine ruhige Hand, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit zu präziser Arbeit. Ein gutes Realschulzeugnis gilt als vorteilhaft. Dieter Hahn, der auch Präsident der Diamant- und Edelsteinbörse in Idar-Oberstein ist, schätzt an seiner Branche selten gewordene Qualitäten: «Es kommt in diesem Beruf sehr auf Vertrauen und Zuverlässigkeit an.» Das gelte nicht nur innerhalb eines Betriebes, sondern im internationalen Handel auch über Ländergrenzen hinweg. «Wer nicht mit größter Korrektheit arbeitet, hat in diesem Job keine Zukunft.» Auf eine sichere berufliche Zukunft hofft Daniel Möhnen, Auszubildender im zweiten von drei Lehrjahren bei Dieter Hahn. Der junge Mann wurde durch einen Zeitungsbericht auf den Beruf des Diamantschleifers aufmerksam. Er bewarb sich und hatte - neben den richtigen Voraussetzungen - auch Glück: «Edelsteine haben mich schon immer fasziniert, und Diamanten sind eben etwas ganz Besonderes», sagt Möhnen. Von der Faszination allein können auch Diamantschleifer nicht leben: Sie verdienen Meister Günter Zwetsch aus Idar-Oberstein zufolge durchschnittlich etwa 1400 bis 2400 Euro brutto im Monat. Anderthalb bis zwei Tage arbeitet Daniel am Schliff eines Diamanten, den er durch eine Lupe mit zehnfacher Vergrößerung sieht. Bei der Arbeit helfen ihm moderne Präzisionswerkzeuge, aber der angehende Diamantschleifer weiß, welche Rolle er selbst spielt: «Für den Feinschliff ist der Mensch noch immer unverzichtbar.» Schmuck-Diamantschleifer bringen ihren kostbaren Rohstoff mit Hilfe verschiedener Techniken in den klassischen Brilliantschliff oder in Fantasieformen. Bei ihrer Arbeit kommt es auf höchste Brillanz an. Hohe Verschleiß- und Bruchfestigkeit ist dagegen beim Industriediamanten gefragt. Diamantschleifer mit dem Schwerpunkt Industrie-Diamanten sind häufig in Diamant-Werkzeug-Fabriken beschäftigt. Ihre Tätigkeit beinhaltet unter anderem das Schleifen von Gravier- und Schnittdiamanten und von Diamant-Messern für die Mikrochirurgie und Augenoptik. Doch auch der Diamantwerkzeug-Schleifer findet sich in manchen Fällen im mittelständischen Familienbetrieb. Die Werkstatt von Meister Günter Zwetsch in Idar-Oberstein zählt dazu. Zwetsch hat sich auf die Herstellung von Schleif- und Schnittwerkzeugen spezialisiert: «Wir stellen Diamantwerkzeuge her, die zum Drehen und Fräsen in verschiedenen Industriezweigen eingesetzt werden», erläutert der Diamantschleifmeister, der seit mehr als 50 Jahren im Berufsleben steht. «Der zukunftsorientierte Diamantschleifer sollte auf Qualität und Vielseitigkeit setzen», rät Zwetsch. «Die Techniken des Reibens und Sägens sollten ebenso zu seinem beruflichen Können zählen, wie die Beherrschung komplizierter Schliff-Formen und Einschleifarbeiten. Auf alle Fälle gehören in diesem Beruf Ausdauer und Geduld zum nötigen Rüstzeug.» Informationen: Bundesverband der Edelstein- und Diamantindustrie, Mainzer Straße 34, 55743 Idar-Oberstein, Tel.: 06781/94 42 40. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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