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2002-05-15 09:54:18

Wie Frauen im Job unverwechselbar werden



Kleve/Frankfurt/Main (/gms) - Höfliche Zurückhaltung gilt noch immer als weibliche Tugend. Doch dies kann sich im Beruf als Stolperstein entpuppen. Nur knapp ein Drittel aller Führungskräfte in der Industrie, im Dienstleistungsbereich oder in der öffentlichen Verwaltung sind weiblich, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Und die typisch weibliche Bescheidenheit dürfte einer der Gründe dafür sein.

Viele hoffen darauf, dass sie früher oder später von alleine in der Masse der Mitkonkurrentinnen entdeckt werden - nicht selten bis zum Sankt-Nimmerleinstag. Schenkt man der Fachautorin Marita Thiel aus Kleve (Nordrhein-Westfalen) Glauben, ist es allerdings gar nicht so schwierig, unverwechselbar zu werden: «Branding» nennt sie die Fähigkeit, sich gegenüber Kollegen, Vorgesetzen oder Geschäftskunden so darzustellen, dass nicht nur der Name im Gedächtnis bleibt, sondern auch die persönlichen Eigenschaften und Talente.

Einfach nur brav alle anfallenden Aufgaben zu erledigen, wird dazu nicht reichen. «Der erste Schritt auf dem Weg, eine unverwechselbare Frau zu werden, ist eine exakte Zieldefinition», sagt Thiel, die als Trainerin für Persönlichkeitsmanagement arbeitet. Nur wer sein Ziel bestimme, sich damit identifiziere, jeden Tag dafür kämpfe, werde es auch erreichen. Zum Selbstmarketing gehört die Fähigkeit, sich einen Überblick über die eigenen Ziele zu schaffen und zu behalten, sagt auch Marion Cieplik vom Verein «Frauenbetriebe» in Frankfurt, einer Beratungsstelle für Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen. «Am Anfang steht ein Konzept, in dem Frauen ihren Weg erarbeiten und planen».

«Eine besondere Bedeutung auf dem Weg nach oben fällt den Kommunikationstechniken zu», sagt Trainerin Thiel. Frauen müssten sich angewöhnen, Klartext zu reden: «Eine herausragende Stellung im Berufsleben setzt den Mut voraus, klare Worte zu sprechen - selbst auf die Gefahr hin anzuecken».

Allerdings reicht es nicht aus, eine deutliche Sprache zu finden, man muss auch Verbündete suchen, bei denen die Worte auf fruchtbaren Boden fallen. «Natürlich gewachsene Netzwerke sind ganz entscheidend für die Karriere - unabhängig vom Geschlecht», sagt Juliane Wiemerslage, Geschäftsführerin Personal und Arbeitsdirektorin bei IBM Deutschland in Stuttgart. Gerade für Frauen sei Unterstützung auf dem Karriereweg sehr wichtig, da die Netzwerke in Unternehmen meist männlich dominiert seien. «Wir steuern dem bei IBM entgegen, indem wir ein spezielles Mentoringprogramm für unseren weiblichen Führungsnachwuchs etabliert haben», sagt die Direktorin. Frauen, denen höhere Managementaufgaben zugetraut werden, bekommen einen Mentor zur Seite gestellt.

Auch wenn Frauen hoch hinaus wollen, verbiegen sollten sie sich für die Karierre nicht. Authentizität im Auftreten nach Außen sei sogar ein weiterer Erfolgsfaktor, sagt Beraterin Cieplik. «Hier gibt es kein generelleres Patentrezept. Jede Frau muss einen eigenen Stil finden». Nur stimmig müsse das Bild sein: «Sie müssen hinter dem stehen, was sie tun, dann sind sie auch erfolgreich», so Cieplik. «Nur wer mit Begeisterung einer Sache nachgeht, kann sich dieser mit ausdauernder Hingabe widmen und hat so die besten Voraussetzungen, erfolgreich zu sein», sagt auch Marita Thiel. Gelebte Leidenschaften seien der Grundstein für Erfolgskarrieren.

Literatur: Marita Thiel: Ich und keine andere, Verlag Marion von Schröder, ISBN 3-547-79073-5, 15 Euro.

Informationen: Das Bundesfrauenministerium in Berlin hat eine Übersicht über rund 500 Netzwerk-Initiativen erstellt. Diese Übersicht ist im Internet unter http://www.u-netz.de - Stichwort «Vernetzung» - zu finden.


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