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2002-04-30 11:19:25 Schulversager brauchen HilfeJena/Mannheim (/gms) - Kinder mit Schulproblemen brauchen die Unterstützung ihrer Eltern: «Jugendliche, die bei Klassenarbeiten immer wieder versagen, neigen dazu, sich insgesamt in Frage zu stellen. Das drückt das Selbstwertgefühl», warnt Professor Will Lütgert, Schulpädagoge an der Universität Jena. Ist zu befürchten, dass ein Kind in der Schule scheitert, sei es wichtig, dass die Eltern mit ihm reden und gemeinsam nach Perspektiven suchen. Denn werden Schüler mit ihren Problemen allein gelassen, kann es zu folgenschweren Reaktionen kommen - der Amoklauf des 19-Jährigen in einem Erfurter Gymnasium ist das krasseste Beispiel dafür. Damit Eltern überhaupt erfahren, dass es Probleme in der Schule gibt, sind regelmäßige Gespräche wichtig, sagt Christiane Papastefanou, Jugendpsychologin aus Mannheim: «Eltern sollten ihre Kinder nicht kontrollieren, aber Interesse zeigen an dem, was in der Schule los ist.» Wenn es Schwierigkeiten gibt oder Kinder vor etwas Angst haben, sei es unter Umständen schon hilfreich, darüber reden zu können: «Kinder sind dankbar, mit Gefühlen nicht allein gelassen zu werden.» Das bestätigt auch Christian Palentien vom Institut für Jugendforschung der Universität Bielefeld: «Wenn Schüler zu Hause Rückhalt bekommen, kann das die Sache schon voranbringen.» Schulprobleme seien in den Familien heute noch immer Konfliktstoff Nummer eins. «Für viele Jugendliche bedeutet der Leistungsdruck immer öfter Stress», sagt Palentien. Bei Abiturienten entscheide heute oft die Stelle hinter dem Komma über Studienmöglichkeiten. Hauptschüler müssten sich Sorgen machen, überhaupt noch einen Beruf zu finden. «Die formalen Voraussetzungen für die berufliche Karriere sind immer höher geworden», so der Jugendforscher. «Leistung insgesamt spielt eine immer größere Rolle», sagt auch Christiane Papastefanou. «Das Ansehen von Jugendlichen bei Freunden und Mitschülern hängt auch von ihren Zensuren ab.» Schlechte Noten haben dann Folgen für die sozialen Kontakte. «Gerade in solchen Fällen sollten Eltern Stützen sein», rät Professor Will Lütgert. Die Situation für die Schüler verschlimmere sich dagegen noch, wenn Eltern für die schlechten Noten keinerlei Verständnis zeigen und auf Leistungen bestehen, die für die Jugendlichen unter Umständen nicht zu schaffen sind. «Schulversagen kann extrem belastend sein», warnt Christiane Papastefanou. Um dem frühzeitig entgegenzuwirken, sollten Eltern überlegen, ob ein Schulwechsel in Frage kommt, empfiehlt Palentien. Doch auch in der Schule selbst erfahren Leistungsschwächere nach Einschätzung von Lütgert zu wenig Unterstützung. «Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass gerade für die Schwachen mehr getan werden muss», sagt der Wissenschaftler. Schulversager bräuchten von ihren Lehrern klare Signale dafür, dass sie zwar im Blick auf ihre Leistungen nicht mithalten können - aber deshalb nicht als Mensch abgeschrieben sind. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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