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2002-04-22 10:15:19 Immer mehr Hochschulen setzen auf ServiceKonstanz (/gms) - Oft scheitert ein Hochschulabschluss in der Regelstudienzeit an äußeren Bedingungen. Lange Wege zwischen den einzelnen Institutionen rauben Zeit und Nerven. Doch jetzt scheinen Hochschulen Studenten als Kunden zu entdecken. An zahlreichen Standorten werden Servicemaßnahmen geplant. Aufsehen erregte im April vergangenen Jahres die Hochschule Konstanz, als sie als bundesweit erste Hochschule die Öffnungszeiten der Bibliothek bis ans Limit ausweitete. Rund um die Uhr können Studenten hier nun an sieben Tagen in der Woche die Bibliothek nutzen. Imbissautomaten und ein Telefon für Pizza- und Taxibestellungen hat die Hochschule gleich mit aufgestellt. Auch an der Hochschule der Medien in Stuttgart können Studierende seit geraumer Zeit rund um die Uhr in den Uni-Räumlichkeiten den Buchbestand nutzen und an PC-Arbeitsplätzen Referate und Diplomarbeiten tippen. Die Universität Karlsruhe plant ein ähnliches Angebot. «Die Hochschule versteht sich heute zunehmend als Dienstleistungsbetrieb. Wir wollen daher den Service für die Studierenden erhöhen», erklärt Uni-Sprecher Michael Stolle das Vorhaben. Langfristig soll das dazu führen, dass der Kontakt zwischen Hochschule und Studenten enger wird. Die Uni Konstanz beabsichtigt mit ihrem Angebot, die Studienbedingungen zu verbessern. «Eine Universität lebt von ihren Studierenden», begründet das Sprecherin Maria Schorpp. An der Universität Erlangen-Nürnberg ist das Projekt «Studierende im Mittelpunkt» (StiM) angelaufen. Uni-Sprecher Thomas Wenzel zufolge soll dabei etwa eine serviceorientierte Verwaltung geschaffen werden. Prüfungsamt, Praktikantenamt und Studentensekretariat sollen zu einem serviceorientierten Studentenbüro zusammengefasst werden. So sollen die Belange eines Studenten aus einer Hand betreut werden. Ihm steht in der Verwaltung in Zukunft immer derselbe Ansprechpartner zur Verfügung. Kundenorientierte Hochschulentwicklung nennt die Universität das. «Wir wollen das Studium serviceorientierter gestalten und helfen, die langen Warteschlangen zu vermeiden», sagt Wenzel. Auch die neuen Kommunikationstechniken sollen dabei helfen. Viele Studenten empfinden die Begegnung mit der Hochschulverwaltung oft wie ein Laufen von Pontius zu Pilatus. Per Computer lässt sich Organisatorisches schneller und leichter erledigen. «Die Programme werden uns nicht gerade aus den Händen gerissen. Diese Neuerungen werden sich aber an allen Hochschulen in nächster Zeit durchsetzen», schätzt Ludwig Leute, Abteilungsleiter IT für die Hochschulverwaltung beim Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover. So wird an vielen Hochschulen auch an so genannten «Selbstbedienungsfunktionen im Internet» gearbeitet, sagt Ludwig Leute. Zwar habe erst eine Handvoll Universitäten diese Funktionen eingerichtet. An vielen weiteren liefen aber Planungen zur Einführung. An der Uni Kaiserslautern etwa sollen bald mehrere solcher Funktionen zur Verfügung stehen. Vorgesehen sind Einschreibung und Prüfungsanmeldung per Internet, die Bescheinigung von Leistungen und das Ausdrucken von Scheinen am Computer sowie die Notenmitteilung per Telefonabruf. Ähnliche Maßnahmen planen etwa die Technische Universität Chemnitz, die Uni Würzburg und die Fachhochschule Nürnberg. Auch Chipkarten wurden als Servicemaßnahmen an vielen Hochschulen eingeführt. «Die erste Karte gab schon Mitte der neunziger Jahre an der Uni Bochum», sagt Ludwig Leute. Heute hätten etwa 25 deutsche Hochschulen die Karte mit Mehrfachfunktion eingeführt. Das Prinzip: Eine Karte vereint Studentenausweis, Semesterticket und Zugangskarte für Hochschulgebäude. Sie dient auch als Kreditkarte für Mensa, Kopierer, Semesterbeitrag und Bibliotheksgebühren. Hochschulen stehen zunehmend im Wettbewerb zueinander - und zu anderen Bildungseinrichtungen. Das nennt Petra Giebisch vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh als Hauptgrund für die zunehmende Serviceorientierung. Sinnvoll seien solche Maßnahmen Giebisch zufolge aber nur, wenn sie wirklich die Bedingungen von Lehre und Studium verbesserten. Dafür sei langfristig ein «ganzheitliches Marketing» erforderlich. Das werde aber erst von wenigen Hochschulen betrieben. Die Zusammenlegung von Ämtern sei nur der Anfang der Entwicklung. «Der nächste Schritt sollte sein, dass Studenten alle Formalien online regeln können», fordert Giebisch. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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