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2002-04-15 09:43:26

Kameramann als heimlicher Star beim Film



München/Berlin (/gms) - Kameraleute sind die stillen Stars bei Film und Fernsehen. Ohne sie würden Bildschirme und Kinoleinwände dunkel bleiben. Doch in der Öffentlichkeit kennt kaum jemand ihre Namen. Dennoch weckt dieser anspruchsvolle Beruf Träume. Und für die meisten Bewerber wird es auch immer nur ein Traum bleiben.

«Wir bekommen wöchentlich etwa zehn Anfragen von jungen Leuten die alle Kameramann oder -frau werden möchten», sagt Michael Neubauer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Kamera (BVK) in München. «Die Nachfrage übersteigt schon jetzt die Zahl der freien Stellen bei weitem. In Zukunft wird der Markt aber noch enger werden, weil das Interesse an Medienberufen insgesamt steigt.» Große Begabung und eine fundierte Ausbildung sind zum erfolgreichen Berufseinstieg als Kameramann heute unerlässlich.

Michael Neubauer und seine Kollegen betrachten die rege Nachfrage mit einem lachenden und einem weinenden Auge: «Es gibt eine relativ kleine Gruppe von Kameraleuten, für die der Job tatsächlich zum Traumberuf geworden ist.» Diese drehen Kinofilme oder machen größere Produktionen für das Fernsehen.

Die meisten deutschen Kameraleute arbeiten in der aktuellen Berichterstattung. Das bedeutet fast immer Knochenarbeit unter erheblichem Zeit- und Konkurrenzdruck. Unregelmäßige Arbeitszeiten, körperliche Belastungen und psychischer Stress gehören ebenfalls zum Handwerk.

«Als gute Basis für einen erfolgreichen Berufseinstieg gilt eine Lehre als Fotograf, gefolgt von Praktika in einem Film-Kopierwerk oder Geräteverleih», erklärt Bernd-Andreas Bergmann. Der Diplom-Kameramann unterrichtet als Gastprofessor Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Babelsberg. «Eine Assistenten-Tätigkeit in Kamerateams sollte für die nötige Praxis im normalen Produktionsalltag sorgen.» Über die erfolgreiche, mehrjährige Arbeit als Assistent führe der Weg dann traditionell zum Kameramann.

Wer später Kinofilme oder andere große Produktionen drehen will, ist mit einem zusätzlichen Kamera-Studium an einer Filmhochschule gut beraten. «Auch mit dem Diplom in der Tasche werden die Absolventen aber wahrscheinlich zunächst noch einige Zeit als Assistenten erfahrener Kameraleute beschäftigt», sagt Bernd-Andreas Bergmann. «Für diesen Job braucht man einen sehr langen Atem.»

Den hat Kamerastudent Florian Schilling bereits bewiesen. Der junge Mann hat das vierjährige Diplom-Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (DFFB) fast hinter sich gebracht. Nur der Abschlussfilm fehlt noch. Angefangen hat Schilling als Set-Hilfe bei Joseph Vilsmaiers Film «Schlafes Bruder» (1995): «Damals durfte ich nur den sprichwörtlichen Kaffee kochen, aber mir wurde klar, dass mein Berufsziel Kameramann ist.»

Florian Schilling und seine Kommilitonen haben das Glück, an der DFFB mit Michael Ballhaus einen wahren Meister als Dozenten zu haben. Er kehrt regelmäßig aus Hollywood zurück an die Spree, um den Nachwuchs in die Feinheiten der Kameraführung einzuweihen. Ballhaus war Bühnenfotograf und Fernsehkameramann, bevor er Anfang der siebziger Jahre zum Film kam. Seitdem hat er auf beiden Seiten des Atlantiks mit nahezu allen namhaften Regisseuren und Schauspielern gearbeitet. Zu seinen jüngeren Projekten zählen «The Legend of Bagger Vance» (2000) in der Regie von Robert Redford und «Gangs of New York» (2001) von Martin Scorsese.

«In diesem Beruf kommt der Erfolg nicht über Nacht», sagt Michael Ballhaus. «Man beginnt mit kleinen Produktionen, macht seine Aufgabe möglichst gut und arbeitet dann schrittweise auf ein größeres Ziel zu.» Ganz wichtig sei es, am Anfang jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um berufliche Erfahrungen zu sammeln: «Man muss diesen Beruf sehr lieben und darf sich neuen Techniken und Stilen nicht verweigern.» Es gebe viele verschiedene Möglichkeiten, mit Bildern eine Geschichte zu erzählen.

Auch erfahrene Kameraleute haben nie ausgelernt: «Die technische Entwicklung legt ein rasantes Tempo vor», erklärt Ballhaus. «Da muss man Schritthalten, ganz besonders im Bereich der zukunftsweisenden digitalen Kameras.» Eine angenehme Form der Weiterbildung ist der regelmäßige Kinobesuch: «Von guten Kollegen kann man immer lernen.»

Zwar möchten die Söhne von ZDF-Kameramann Joachim Giel aus Mainz in die Fußstapfen des Vaters treten. Doch der rät ihnen, es sich gut zu überlegen: «Der Beruf hat sich in den letzten 25 Jahren sehr verändert», sagt Giel, der im Bereich Aktuelles/Dokumentation tätig ist. «Unsere Arbeit ist sehr schnelllebig geworden und wird bei zu vielen Sendern von der Jagd nach der Zuschauer-Quote bestimmt.»

Mit den ZDF-Auslandskorrespondenten war Joachim Giel in vielen Krisengebieten der Welt unterwegs. In häufig brenzligen, manchmal sogar lebensbedrohenden Situationen waren ihm vor allem zwei Dinge immer besonders wichtig: «Die Bild-Berichterstattung muss unter allen Umständen seriös bleiben, und die Familie daheim muss viel Verständnis für den Job haben.»

Informationen: Bundesverband Kamera, Brienner Straße 52, 80333 München, Tel.: 089/34 01 91 90, Fax: 089/34 01 91 91, Internet: http://www.bvkamera.org.


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