![]() << Zurück zur JOBBER-Startseite >> |
|
2002-04-02 10:38:37 Kreativität im BerufFrankfurt/Main (/gms) - Kreative Fähigkeiten können zwar gefördert werden, doch ein kurzes Trainingswochenende wird aus einem eher zurückhaltenden Mitarbeiter wahrscheinlich kein kreatives Multitalent machen. Zu komplex sind die Voraussetzungen für Kreativität, als dass mit einem kurzen Training die Weichen komplett neu gestellt werden können. Dass die Ausnutzung des kreativen Potenzials der Mitarbeiter einen entscheidenden Faktor für den Erfolg eines Unternehmens darstellt, ist unbestritten. «Kreativität ist ein wichtiger Baustein, wenn die betrieblichen Leistung stetig verbessert werden sollen», sagt Carsten Löwe, Geschäftsführer der Organisation Wuppertaler Kreis - eine Vereinigung zur Förderung der Weiterbildung von Führungskräften, der unter anderem Bildungswerke der Arbeitgeber angehören. Auch in Zeiten sinkender Budgets für die Mitarbeiterweiterbildung würden Mitarbeiter zum Kreativitätstraining entsandt. Allerdings sei die Nachfrage auf dem Weiterbildungsmarkt derzeit insgesamt etwas «verhaltener», so dass auch Kreativitätskurse seltener gebucht würden, so Löwe. Vier Bedingungen für Kreativität nennt Siegfried Preiser, Professor für Pädagogische Psychologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Dazu gehören erstens Flexibilität und Originalität, zweitens ein «offener Denkstil», beispielsweise die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, drittens Neugier und Konflikttoleranz und viertens Fachkenntnisse. Die meisten Kreativitätstrainings zielen dem Psychologieprofessor zufolge auf die Denkstrategien ab. So hat der US-amerikanische Kreativitätstrainer Michael Michalko ein ganzes Buch über die Denkstrategien genialer Menschen zusammengetragen und sie in neun Gruppen zusammengefasst. Der bekannteste Trick zur Stimulierung der Schaffensfreude geht dahin, sich ein Bild von seinen Gedanken zu machen. Zeichnungen, Diagramme und Grafiken dienen als Werkzeuge, um Informationen zu erfassen, Probleme zu formulieren und später auch zu lösen. Als Beispiel nennt Michalko die berühmten Diagramme und Skizzen Galileos. Auch beim «Brainstorming» geht es darum, sich von eingefahrenen Denkmustern zu lösen: Hier lassen die Teilnehmer, etwa beim Vorschlagen von Lösungsmöglichen, ihren Gedanken möglichst ungefiltert ihren Lauf. Mit einem Klima, das Neugier und Offenheit zulässt, lässt sich Kreativität fördern, sagt Professor Preiser. An einem modernen Arbeitsplatz gehörten dazu etwa Wandbilder, die anregen, aber nicht ablenken, und eine Auswahl an Medien, die informiert und zugleich inspiriert. Preiser nennt das «Anregung und Aktivierung». «Es gibt Menschen, die können die Augen schließen und sind voller Bilder. Andere brauchen einen Spaziergang dazu oder am Arbeitsplatz wenigstens ein paar Pflanzen und etwas Behaglichkeit.» Das Gegenstück zur äußeren Anregung ist die innere Motivation durch das Interesse an der Sache. Sie kann gefördert werden, indem an die persönlichen Interessen der Mitarbeiter angeknüpft wird, Zusammenhänge erläutert werden und die positive Selbstbewertung unterstützt wird. Untersuchungen der Frankfurter Psychologen zum kreativitätsfreundlichen Lern- und Arbeitsklima in Kindergärten, Schulen und Betrieben haben laut Preiser ergeben: Die kreativen Leistungen der Kinder oder Mitarbeiter hängen wesentlich ab vom innerbetrieblichen Lern- und Arbeitsklima. Am deutlichsten sei dies bei der Untersuchung in einem Kindergarten gewesen. Die Kinder wurden nicht direkt befragt, statt dessen wurde ein unabhängiger Zeichentest als Maßstab für Kreativität genutzt. Berichteten die Erzieherinnen von einer vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre, von Kooperation und Teamgeist, waren die Zeichnungen der Kinder fantasievoller als im Vergleichskindergarten mit einer hierarchischeren Struktur. Eine Untersuchung in chinesischen Schulen hat Preiser zufolge zudem gezeigt, dass ein neuer, kooperativer Erziehungsstil Kinder zunächst verunsichert, wenn zuvor lediglich auf Gehorsam gesetzt worden war. Erst im zweiten Schuljahr habe dieser Erziehungsstil Erfolge gezeigt. Fazit des Leiters der Projektgruppe «Kreativität in Organisationen»: «Das kann man nicht mit einem kurzen Training umkrempeln. Aufbau von Vertrauen braucht Zeit.» Literatur: Michael Michalko, Erfolgsgeheimnis Kreativität - Was wir von Michelangelo, Einstein & Co. lernen können, mvg-Verlag 2001 (ISBN 3-478-73241-7), 19,90 Euro. Siegfried Preiser und Nicola Buchholz, Kreativität - ein Trainingsprogramm in sieben Stufen für Alltag und Beruf, Asanger 2000 (ISBN 3-89-334-358-X), 23 Euro. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
<< Zurück zur JOBBER-Startseite >> |