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2002-03-25 09:50:45 Klavierbauer im Dienst der HarmonieBerlin (/gms) - «Man müsste Klavier spielen können», lautet der Titel eines Gassenhauers aus alten Zeiten. «Man müsste Klavier stimmen können», stöhnen unterdessen die Auszubildenden auf der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Dem Instrument die richtigen Töne beizubringen, fällt vielen angehenden Klavierbauern auch bei der Gesellenprüfung noch schwer. Gut hören sollte, wer Klavierbauer werden will. Ein absolutes Gehör ist entbehrlich, wegen der nicht reinen Stimmung des Klaviers sogar «eher schädlich», wie Berufsschullehrer Gunther Schaible anmerkt. Wer sich in Deutschland zum Klavierbauer ausbilden lässt, kommt an der Schule in Ludwigsburg nicht vorbei - es ist die einzige ihrer Art, bei der Meisterausbildung sogar weltweit. Nach dem Dualen System werden die Schüler hier pro Lehrjahr in zwei sechswöchigen Blöcken überwiegend theoretisch unterrichtet. Die übrige Zeit verbringen sie in ihren Ausbildungsbetrieben: in der Klavierindustrie oder bei selbstständigen Klavierbauern. Bechstein ist eine der wenigen international renommierten Marken, die sich der Dominanz von Steinway auf den Konzertbühnen entgegenstellen. Das 1853 gegründete Traditionsunternehmen mit Stammsitz in Berlin unterhält seit den neunziger Jahren ein Werk in Seifhennersdorf in Sachsen, wo die meisten Modelle gefertigt werden. Die Endmontage der kostbaren Flügel, die nicht unter 30 000 Euro zu haben sind, erfolgt weiterhin in Berlin. Klavierbauer kommen in der Regel erst dann zum Einsatz, wenn das Instrument schon fast fertig dasteht. Die eher handwerklichen Verrichtungen werden meist von Tischlern übernommen. «Das Gröbste, was ein Klavierbauer zu leisten hat, ist das Aufziehen der Saiten», sagt Werner Albrecht, Leiter der Berliner Endfertigung von Bechstein. Mit der Feinarbeit bleibt schließlich noch genug zu tun. So werden Flügel bis zur Stabilisierung der endgültigen Tonhöhe mindestens fünf Mal vorgestimmt. Beim so genannten Intonieren erhält das Instrument durch Behandlung der Hammerköpfe seine klanglichen Eigenschaften. Damit auch die Mechanik den Ansprüchen genügt, müssen zahllose Hebel, Federn, Achsen und Schrauben justiert werden - Regulation nennt sich dieser Arbeitsgang. Während die Aufgaben der Klavierbauer in der Industrie fest umrissen sind, können sie beim kleinen Handwerksbetrieb um die Ecke täglich wechseln. So stehen hier nicht nur Hausbesuche zwecks Stimmung auf dem Programm. In der Werkstatt werden auch altersschwache Klaviere und Flügel auf Vordermann gebracht, eine Arbeit, die Monate dauern kann. «Wir müssen auch mit Säge und Hobel umgehen können», sagt Michael Masur, selbstständiger Klavierbauermeister aus Berlin. Eines sollte bei allem handwerklichen Geschick auch nicht fehlen: Liebe zur Musik. Werner Albrecht von Bechstein spielt zum Beispiel selbst Klavier und rät auch Berufsanfängern, sich zumindest ein «pianistisches Minimum» anzueignen. Schließlich haben Klavierbauer nicht nur mit mehr oder weniger pflegeleichten Privatkunden zu tun, sondern von Zeit zu Zeit auch mit Berufsmusikern. Albrecht etwa übernimmt des öfteren die Stimmung der großen Konzertflügel, wenn wieder einmal ein Bechstein-Pianist in der Hauptstadt gastiert. Wer hier gefragt ist, verdient ein Vielfaches der rund 1500 Euro brutto, mit denen ein Geselle anfangs monatlich rechnen muss. Wegen ihrer oft tüftlerischen Arbeit stehen Klavierbauer in dem Ruf, ein wenig maulfaul zu sein. Das beruht zum Teil aber auf einem Missverständnis: «Wenn ich ein Klavier stimme, bin ich äußerst konzentriert», sagt Berufsschullehrer Schaible, der selbst sieben Jahre als Klavierbauer bei Bechstein gearbeitet hast. «Wenn mich dabei jemand anspricht, geht das zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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