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2002-01-28 09:44:40

Interface Designer schafft Harmonie



Würzburg (/gms) - Die Bedienung von Videorekordern, Stereoanlagen und Computerprogrammen kann selbst Technik begeisterte Menschen zur Verzweiflung bringen - trotz Gebrauchsanweisung. Interface Designer haben die Aufgabe, dies zu verhindern. Ihr Job ist es, sich Gedanken über die so genannte Useability zu machen und zum Beispiel intuitiv bedienbare Hebel oder Schaltflächen zu gestalten.

Sie schaffen die Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. Als Maschine werden dabei nicht nur Videorekorder oder PCs, sondern jeder computergesteuerte «Automat» vom Handy bis zur Käsereimaschine verstanden. Interface Designer Tom Cadera von Caderadesign aus Würzburg stellt auf seiner Website ein Beispiel vor: Das tragbare Isolierprüfgerät besitzt leicht verständlich beschriftete Bedienelemente. Die Knöpfe und Hebel sind einklappbar, um das schwere Gerät für den Transport handlicher zu machen. «Ziel ist es, innovative Geräte zu schaffen, die anwenderfreundlich sind und sich ganz spontan ohne Gebrauchsanweisungen bedienen lassen.»

Als Fach studieren lässt sich Interface Design erst seit wenigen Jahren. Es ist dabei stets in einen übergreifenden Hauptstudiengang integriert. Als Spezialdisziplin ist das Fach entweder einem an den neuen Medien orientierten Studiengang angeschlossen, oder es lehnt sich an ein gestalterisches Studium wie Industrie- und Produktdesign an. Eine weitere Möglichkeit ist der Anschluss an eine technische Disziplin - beispielsweise Informatik oder Elektrotechnik.

Jede Hochschule setzt bei der Gestaltung des Fachbereichs ihren eigenen Schwerpunkt: mal technisch, mal künstlerisch, mal auf Audio- und Videostreaming ausgerichtet wie in der Bauhaus-Universität Weimar. Dort können sich Studenten im Fach Mediendesign nach dem Grundstudium auf Interface Design spezialisieren. Die Regelstudienzeit beträgt neun Semester. Bedingung für die Zulassung ist, wie fast an allen Hochschulen, eine Präsentationsmappe, die unter anderem die zeichnerischen Fähigkeiten des Bewerbers unter Beweis stellt. Derzeit gibt es an der Universität Weimar rund 20 angehende Interface Designer.

Interface Design verbindet gestalterische und technische Elemente. «Interface Designer müssen alles beherrschen, was Produkt- und Screendesigner können», erklärt Tanja Diezmann, Professorin für Interface Design an der Fachhochschule Anhalt in Dessau. Um Produkten gleichzeitig Form und Funktion geben zu können, sei zudem ein ausgeprägtes Dienstleistungsverständnis wichtig: «Entscheidend ist nicht die Optik, sondern was am besten funktioniert», sagt Diezmann, Inhaberin der Agentur pReview digital design. Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium sei ferner die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, zu analysieren und zu strukturieren.

Kaum ein anderes Studium deckt ein so weites Feld ab wie Interface Design: «Unser Konzept ist fächerübergreifend», erklärt Jens Geelhaar, der an der Bauhaus-Universität in Weimar Interface Design lehrt. Neben dem einschlägigen Studium ist aber auch ein Quereinstieg möglich. Das gilt vor allem für ambitionierte und entsprechend qualifizierte Techniker wie Informatiker oder Elektrotechniker sowie für Designer aller Sparten. Sehr hilfreich für den Berufseinstieg sind außerdem Projektarbeiten während des Studiums.

Die Berufsaussichten für Interface Designer gelten als gut. Die Krise der Multimedia-Branche hatte kaum Auswirkungen auf diesen Berufszweig, da die Einsatzgebiete weit über die multimediale Gestaltung hinaus reichen. Vor allem die Softwareindustrie sucht qualifizierten Nachwuchs. Der Verdienst eines Interface Designers kann sich wie bei vielen akademischen Berufen von Fall zu Fall stark unterscheiden. Das Einstiegsgehalt liegt bei rund 35 000 Euro (68 450 Mark) im Jahr.

Dass Interface Design im Trend liegt, zeigt zudem die wachsende Anzahl an Stellenangeboten: «Allerdings wissen auch manche Firmen Interface Design nicht richtig einzuordnen und setzen es oft einfach mit Webdesign gleich», erläutert Tanja Diezmann. Aber noch steht der Beruf erst am Anfang seiner Entwicklung, und es besteht ein großer Verbesserungsbedarf auch bei den vorhandenen Schnittstellen - schließlich sollen Gebrauchsanweisungen ja einmal überflüssig werden.


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